Letztes Update am Di, 29.10.2019 12:21

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ski Alpin

Kritik an der FIS lässt Waldner kalt: „Die Fahrer sollen nicht jammern“

Harte Worte findet FIS-Rennchef Markus Waldner für die Kritik am Ski-Weltcupkalender. Die FIS wollte weniger Rennen, die Verbände nicht. Der Grund: Das liebe Geld.

FIS-Rennchef Markus Waldner gibt im Weltcup mit seinem Team die Richtung vor.

© gepaFIS-Rennchef Markus Waldner gibt im Weltcup mit seinem Team die Richtung vor.



Herr Waldner, beim Weltcup-Auftakt in Sölden war heuer wenig von Schnee und Winter zu sehen. Machen Sie sich Sorgen um das Tiroler Gletscher-Rennen?

Markus Waldner: Das große Problem sind die extremen Löcher, die im unteren Teil durch Erosion entstanden sind. Es wurden bereits Bewilligungen eingereicht, um die Löcher mittels Bagger mit Steinen und Sand zu befüllen. Damit braucht man weniger Schneeauflage, Sölden nimmt ja jetzt schon 80 Prozent des Schnees aus den Depots. Zudem war es nie kalt genug zum Beschneien. Es gab deshalb Überlegungen, den Weltcup-Auftakt generell auf Allerheiligen zu verschieben.

Sie meinen eine Verschiebung um eine Woche?

Waldner: Für die FIS ist das Thema, für Sölden nicht. Zu Allerheiligen ist zu viel los.

Dabei stand der Weltcup-Kalender zuletzt aufgrund der großen Anzahl von 44 Rennen in der Kritik. Wieso ist der Ärger so groß?

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Waldner: Wir wissen, dass der Kalender überladen ist. Wir haben auch versucht, das zu reduzieren, haben im Frühling oft darüber geredet. Es waren auch Vorschläge da, wie man das Programm reduzieren kann: Wir wollten acht Rennen in den vier Disziplinen, damit das Gleichgewicht Speed und Technik passt. Dazu drei Kombinationen und drei Parallel-Rennen. Macht 38 Events. Jetzt haben wir 44.

Wieso ist der FIS die Kürzung nicht gelungen?

Waldner: Wegen der nationalen Verbände. Die haben die Reduzierung nicht unterstützt. Auch Österreich nicht. Die Athleten, die jetzt schimpfen, müssen wissen, dass sie ihre Verbände nicht unterstützt haben. Wieso? Weil über die TV-Rechte das viele Geld für die nationalen Verbände reinkommt. Nehmen Sie Italien her: 40 Prozent der TV-Rechte bei den Rennen in Gröden fließen in den nationalen Skiverband (FISI, Anm.). Die leben davon. Die Fahrer, die jetzt die FIS kritisieren, sollen besser den Mund halten, nicht jammern und lieber mal bei ihrem Verband nachfragen. Und da muss der Präsident dann sagen: „Wir wollen das Rennen, sei ruhig und fahr lieber Ski.“

Wo liegt für Sie das große Problem im Kalender?

Waldner: Das große Problem ist der Jänner-Block. Da sind die großen Rennen des Jahres nach Bormio mit Wengen und Kitzbühel, dann kommt Garmisch. Wenn wir die wegtun, ist das ein Schuss in den eigenen Fuß. Adelboden wollten wir mit Wengen tauschen, damit die Abfahrer mehr Luft haben. Aber der Aufbau in Wengen kann nicht über die Weihnachtstage gemacht werden.

Das heißt, die FIS befürwortet eine Reduzierung?

Waldner: Ich bin der Erste, der sagt: Wir reduzieren. Es ist zu viel. Aber die Anzahl ist nicht das Problem. Die Dichte im Jänner ist das Problem. Das müssen wir in den Griff kriegen, das ist uns nicht gelungen. Ich wollte den Rotstift bei den schwächsten Rennen ansetzen. Es waren alle große Nationen da. Die haben das nicht unterstützt.

Früher gab es Weltcup-Rennen im Sommer in Südamerika. Mancher Athlet griff das Thema wieder auf.

Waldner: Wir haben viel darüber geredet, denn wir trainieren ja acht Monate und fahren nur vier. Das gibt es in keiner anderen Sportart. Natürlich wären Rennen in Argentinien möglich. Aber vom Fernsehen her heißt es im September: null Interesse. Die wollen den Skisport da nicht vermarkten.

Ski-Star Henrik Kristoffersen schlug vor, Kombi und Parallel-Rennen wegzulassen und je zehn Rennen in vier Disziplinen auszutragen. Was halten Sie davon?

Waldner: Der Wunsch war von allen Seiten, dass wir neue Formate einführen. Daran halten wir fest. Weniger Rennen sind besser, aber das wollte kein Verband. Da geht es um sehr viel Geld – und jedes Rennen ist eine Möglichkeit mehr, Geld zu verdienen. Deshalb waren die großen Nationen Italien, Frankreich und Österreich sofort dagegen, dass nur 38 Rennen ausgetragen werden.

In der Kritik standen auch die Reisestrapazen nach den Nordamerika-Rennen oder vor den Rennen in China und Japan.

Waldner: Wenn wir nur in den Alpen fahren, dann brauchen wir keinen Weltcup fahren. Wir müssen weltweite Interessen berücksichtigen. Das ist wichtig für unsere Zukunft.

Das Gespräch führte Roman Stelzl