Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 22.11.2019


Kunstbahnrodeln

Doppelt hält besser: Neues Duo aus der Not geboren

Während Thomas Steu/Lorenz Koller beim Weltcup in Igls angeschlagen starten, feiern Yannick Müller/Armin Frauscher ihre Doppel-Premiere.

Thomas Steu (vorne) und Lorenz Koller triumphierten im vergangenen Jahr beim Heimweltcup in Igls.

© imago sportfotodienstThomas Steu (vorne) und Lorenz Koller triumphierten im vergangenen Jahr beim Heimweltcup in Igls.



Von Günter Almberger

Innsbruck – Heimat bist du großer Doppelsitzer! In den vergangenen 25 Jahren war die Weltspitze ohne rot-weiß-rotes ÖRV-Duo nicht denkbar. Erst trumpften die Unterländer Cousins Tobias und Markus Schiegl mit WM-Titeln auf, dann glänzten die Absamer Brüder Andreas und Wolfgang Linger mit zwei Olympiasiegen, gefolgt von Peter Penz und Georg Fischler, die zum Abschluss ihrer Karriere Olympia-Silber in Pyeongchang eroberten.

Doch mit dem Karriereende von Penz/Fischler im Sommer 2018 stand plötzlich das junge Duo Thomas Steu/Lorenz Koller in der vergangenen Saison allein auf weiter Flur. Ein zweites Doppel war weit und breit nicht in Sicht. Fehlende Vergleichswerte im Training oder keine interne Konkurrenz ließen sie kalt. Die Vorarlberger/Tiroler-Paarung war dem Druck, plötzlich „liefern zu müssen“, mehr als nur gewachsen. Beim Auftakt in Igls lachte das Duo sowohl im Hauptrennen als auch im Sprint vom obersten Podest, bei der WM in Winterberg ließen sie drei Medaillen folgen. Österreich hatte erneut ein Top-Doppel und Steu/Koller waren endgültig in der Welt­spitze angekommen.

Der Lanser Armin Frauscher (l.) und der Bludenzer Yannick Müller tauschten ihre Einzel-Rodeln gegen einen Doppelsitzer.
Der Lanser Armin Frauscher (l.) und der Bludenzer Yannick Müller tauschten ihre Einzel-Rodeln gegen einen Doppelsitzer.
- ÖRV

Doch der Österreichische Rodelverband (ÖRV) dachte sich im wahrsten Sinne des Wortes, dass doppelt besser hält. Aus dem Überangebot bei den Herren-Einsitzern wurde kurzerhand eine neue Doppel-Paarung gebildet. „Tobias Schiegl und ich haben uns den Kopf zerbrochen, wer am besten zusammenpassen könnte. Mit Yannick Müller und Armin Frauscher haben wir zwei Athleten gefunden, die vom Doppel-Projekt begeistert waren“, erklärte Trainer Penz, der ihnen sein Erfolgsmaterial von Olympia zur Verfügung stellte.

Wunderdinge darf man von der neuen ÖRV-Paarung Frauscher/Müller beim morgigen Saisonauftakt in Igls noch keine erwarten. „Es taugt uns und es läuft besser als gedacht. Trotzdem müssen wir uns jede Bahn noch erarbeiten“, betont Frauscher, der vor vier Jahren in Igls sogar Zweiter im Einzel wurde. Obwohl die Trainer begeistert von den Leistungen des Duos sind, dämpft Müller die Erwartungshaltung: „Uns ist bewusst, dass die erste Saison ein Lernjahr wird.“

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Erst seit Anfang der Woche ist fix, dass beim Weltcup-Auftakt beide ÖRV-Doppel starten werden. Nach der Ellbogen-OP (Absplitterung) und zweiwöchiger Trainingspause bei Koller war ein Antreten lange ungewiss. „Ich bin schmerzfrei. Ob ich beim Start wirklich 100 Prozent abrufen kann, werden wir beim Rennen selbst sehen“, zuckt Koller mit den Schultern. Auch wenn durch die Probleme 40 Trainingsfahrten in der Vorbereitung fehlen, wollen die Olympia-Vierten von 2018 ganz vorne mitmischen. „Wir haben vergangenes Jahr in Igls zweimal gewonnen. Glücklich bin ich nur mit einem Podestplatz“, so Steu.

Rodel-Weltcup Igls

Programm Samstag:

9.30 Uhr Nationencup, 14.30 Uhr Training Gesetztengruppe. Programm Samstag:

Einsitzer Damen (10.20/11.45 Uhr), Doppelsitzer Herren (13.10/14.30).

Programm Sonntag:

Einsitzer Herren (10/11.40), Team-Staffel (13.45).

ÖRV-Kader für den Auftakt:

Damen: Madeleine Egle, Hannah Prock, Lisa Schulte.

Herren: David Gleirscher, Wolfgang Kindl, Reinhard Egger, Jonas Müller, Nico Gleirscher.

Doppelsitzer: Thomas Steu/Lorenz Koller, Yannick Müller/Armin Frauscher, Juri Gatt/Ricardo Schöpf.