Letztes Update am Di, 03.12.2019 16:09

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Skispringen

Iraschko-Stolz: „Noch sind die Jungen nicht besser, also mach’ ich weiter“

Daniela Iraschko-Stolz (36) wischte ihre Rücktrittsgedanken beiseite und startet in Lillehammer erstmals schmerzfrei in die neue Skisprung-Saison.

Daniela Iraschko-Stolz dachte nach der erfolgreichen Heim-WM in Seefeld nur kurz an ein Karriereende.

© gepaDaniela Iraschko-Stolz dachte nach der erfolgreichen Heim-WM in Seefeld nur kurz an ein Karriereende.



Innsbruck – Nach der nordischen Ski-WM in Seefeld mit drei Medaillen stand ÖSV-Skispringerin Daniela Iraschko-Stolz kurz vor dem Entschluss, ihre Karriere zu beenden. Im TT-Gespräch erzählt die 36-jährige Wahl-Innsbruckerin, warum nun doch alles ganz anders kam und sie auf den Auftakt in Lillehammer (ab Freitag) brennt.

Vor einem Jahr sind Sie in Lillehammer schwer gestürzt. Mit welchem Gefühl kehren Sie dorthin zurück?

Daniela Iraschko-Stolz: Das ist vergessen und abgehakt. Ich war ein bisschen patschert und bin auf der Nase gelandet, weil ich das falsche Brillenglas hatte. Das passiert mir sicher nie wieder.

Sie blicken endlich wieder auf eine Saisonvorbereitung ohne Verletzung oder Krankheit zurück.

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Iraschko-Stolz: Das gab’s noch nie. Dabei habe ich im letzten Winter gemerkt, dass mein Körper das nicht aushält, wenn ich so weitermache. Ich musste aufgrund von Knieproblemen oder Krankheit (Lungenentzündung, Anm.) Bewerbe auslassen und war am Limit. Nach der Heim-WM war ich erneut krank und es kamen Gedanken auf, die Karriere zu beenden. Doch dann dachte ich mir: So kann ich nicht aufhören.

Wer hat Sie überredet, dass Sie weitermachen?

Iraschko-Stolz: Letztlich musste ich es selber wissen. Mein Wunsch war, dass ich etwas umstelle und im Training eine bessere Struktur habe.

Was hat sich verändert, seit Sie im Olympiazentrum Innsbruck trainieren?

Iraschko-Stolz: Ich mache dort mit Trainer Chris Ebenbichler nicht nur klassisches Skisprungtraining. Mein Ziel war, die Knieprobleme in den Griff zu bekommen, und das habe ich erreicht. Nun sollte ich mir ein neues Ziel setzen.

Was haben Sie sich vorgenommen?

Iraschko-Stolz: Ich will endlich eine volle Saison durchziehen und jeden Bewerb springen. Das wäre schon ein großer Erfolg. Ich will mich überwinden und ein paar Podestplätze holen. Sonst wäre es gescheiter gewesen, ich höre auf. Ich freue mich auf den Auftakt und habe meine Hausaufgaben gemacht.

Die Heim-WM in Seefeld war ein Highlight. Welche der drei Medaillen strahlt am hellsten?

Iraschko-Stolz: Bronze im Einzel war ein Mega-Erfolg. Ich lag wenige Wochen vor der WM krank im Bett, dann habe ich am Punkt die Leistung gebracht. Auch Silber im Damen-Teambewerb hat einen hohen Stellenwert, weil ich viel Herzblut hineingelegt habe und gekämpft habe, dass dieser Bewerb zustande kommt. Das war eine Bereicherung für die WM.

Sie sind Wegbereiterin und Österreichs erfolgreichste Damen-Skispringerin. Wie hat sich der Sport weiterentwickelt?

Iraschko-Stolz: Die Dichte im Weltcup wird von Jahr zu Jahr besser und auch das Niveau ist ein sehr hohes. Man darf sich nicht viel erlauben. An der Spitze gibt es Abwechslung und viele Sieganwärterinnen. Bei uns im Team ist viel passiert, wir sind in dieser Saison erstmals mit sechs Athletinnen unterwegs. Das gab’s noch nie. Die Jungen Marita Kramer und Lisa Eder pushen uns und das tut gut.

Wenn die jungen Athletinnen besser sind als ich, dann höre ich auf. Das haben Sie einmal gesagt.

Iraschko-Stolz: Mir würde die Entscheidung leichter fallen, wenn ich sehe, dass es vier junge Springerinnen gibt und ich im Teambewerb zuschauen kann. Noch sind die jungen Athletinnen nicht besser als ich, also mach’ ich weiter.

Man nennt Sie auch die Team-Mama ...

Iraschko-Stolz: Ja, logisch, ich habe die meiste Erfahrung. Ich bin immer bereit, den Jungen zu helfen.

Wollen Sie nach Ihrer Karriere Trainerin werden?

Iraschko-Stolz: Im Nachwuchsbereich kann ich mir das vorstellen und es wäre reizvoll. Wichtig ist, dass man die Freude an der Bewegung vorlebt. Manchmal ist es auch schwierig mit den Jungen, das gebe ich ehrlich zu. Man darf nicht immer alles sagen und braucht Fingerspitzengefühl. Ich bin noch von der alten Generation und Leistungssport ist beinhart. Entweder man ist vorne dabei oder nicht, es gibt nichts dazwischen.

Das Gespräch führte Benjamin Kiechl