Letztes Update am Mi, 11.12.2013 11:11

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ski Alpin

Die Chaos-Tage nahmen kein Ende

Und täglich grüßte ein Nackenschlag: Tirols Speed-Hoffnungen Romed Baumann und Florian Scheiber kehrten desillusioniert aus Übersee zurück. In Gröden wollen beide den Umkehrschub einleiten.



Von Max Ischia

Innsbruck – Die Hoffnungen waren groß. Und sie schienen berechtigt. Nach bestmöglichen Trainingswochen in Copper Mountain glaubte sich Romed Baumann auf einem viel versprechenden Weg, sprach von der „perfekten Abstimmung“ und davon „deutlich weiter zu sein, als im vergangenen Winter“. Doch die Realität bremste die Ewartungshaltung schonungslos aus: Bei seinen vier Übersee-Starts kam Baumann über die Ränge 27, 33, 33 und einer abschließenden Nichtqualifikation für die Riesentorlauf-Entscheidung in Beaver Creek nicht hinaus.

Gestern nach seiner Rückkehr aus den USA legte der Hochfilzner bei seinen Erklärungsversuchen immer wieder Nachdenkpausen ein. Denn so richtig schlau sei er aus dem Katastrophen-Auftakt noch nicht geworden. Sah sich der Edeltechniker in Lake Louise noch als Opfer der wechselnden Sichtverhältnisse, fasste er in der Beaver-Creek-Abfahrt bereits auf den ersten 30 Sekunden ein 1,3-Sekunden-Paket aus. Auch die Aufschlüsse nach eingehendem Videostudium blieben bescheiden. „Wenn du keine groben Fehler machst und nicht weißt, wo die Zeit verloren geht, dann beginnst du zu grübeln.“ Und wenn du just in dieser Phase von deinem Boss (Herren-Cheftrainer Mathias Berthold, Anm.) mitgeteilt bekommst, dass du im Super-G nicht starten darfst, wird die Gefühlslage nicht erbaulicher. „Zuschauen ist immer das Schlimmste.“

Auch wenn Baumann gewissermaßen im Dunkeln tappt, weiß er nur zu genau, dass es oft nur Kleinigkeiten bedarf, wieder den entsprechenden Lichtschalter zu betätigen. Schließlich war er auch vergangenes Jahr ähnlich schwach in die Saison gestartet, um just bei der Heim-WM in Schladming mit Super-Kombi-Bronze als gefeierter Held dazustehen. „Oft brauchst du halt auch ein bisserl Glück“, versichert der 27-Jährige, der den Riesentorlauf am Samstag in Val d’Isère auslässt, um nächste Woche mit frisch aufgeladenen Batterien in Gröden neu durchzustarten. Besonderen Druck angesichts der unweigerlich näherrückenden Olympischen Spiele in Sotschi verspürt Baumann nicht: „Noch“, sagt er augenzwinkernd, „schmeiße ich die Nerven nicht weg. Wenn du dich in irgendwas versteigst, verkrampfst du automatisch.“

Kaum einen Deut besser erging es seinem engeren Landsmann Florian Scheiber. Der Sölder, nach einer Meniskus-Arthroskopie Mitte Oktober noch nicht ganz der Alte, nahm ganze fünf Zähler (26. in der Abfahrt von Beaver Creek) aus Übersee mit. „Gerade in der Abfahrt brauche ich noch Trainings- und Rennkilometer.“ Dass er in Beaver Creek wie ein Teil seiner Teamkollegen in die interne Qualifikation hatte müssen, war im ersten Moment ein Schock. „Aber es sind halt andere Zeiten und es gilt, sich darauf einzustellen“, sagt der 26-Jährige, der einen Heimreise-Marathon hinter sich gebracht hat. Aufgrund eines Eisregens saß das Abfahrtsteam einen Tag lang in Washington fest. „Die Chaos-Tage wollten kein Ende nehmen.“

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