Letztes Update am Fr, 17.01.2014 15:49

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Nordische Kombination

Denifl: „Die Leute mögen mich auch ohne Sieg“

Kombinierer Willi Denifl (33) spricht im Interview über bekannte Gesichter in Seefeld, sein Ticket für die Olympischen Spiele und warum Homosexualität normal ist.



Seefeld – Der Weltcup der Nordischen Kombination steuert heute (13 Uhr Springen, 15.30 Uhr Langlauf) in Seefeld seinem ersten Saisonhöhepunkt entgegen. Der Stubaier Willi Denifl geht knapp zwei Wochen nach seinem Premierensieg im Weltcup zuversichtlich ans Werk und stand der Tiroler Tageszeitung Rede und Antwort.

Sie haben mit Ihrer Frau in der Steiermark ein Haus gebaut. Ist Seefeld überhaupt noch Ihr Heimweltcup?

Wilhelm Denifl (lacht): Mein Heimweltcup wird immer Seefeld sein. In der Steiermark gefällt’s mir gut, aber ich werde ein Stubaier bleiben. Deshalb ist der Weltcup in Seefeld etwas besonderes.

Welche Emotionen gehen Ihnen durch den Kopf, wenn Sie in Seefeld an den Start gehen?

Denifl: Ich laufe die Loipe entlang und jeden Zweiten den ich anschaue, kenn’ ich. Das ist das Spezielle an Seefeld, das ist wie eine große Familie. Das Publikum ist fair, die Atmosphäre ist toll – es geht uns hier einfach saugut.

Vor knapp zwei Wochen feierten Sie in Russland ihren ersten Weltcupsieg. In Frankreich kamen Sie indes zu Sturz und nicht über Rang 18 hinaus. Hat Sie das aus der Spur geworfen?

Denifl: Ich bin sehr locker drauf. Der Sturz in Frankreich war blöd, aber nicht entscheidend, sonst wäre ich wohl unter die ersten zehn gekommen. Ich war noch müde von der langen Reise zurück aus Russland. In den vergangenen Tagen habe ich mich super regeneriert, jetzt passt wieder alles. Ich habe ein sehr gutes Gefühl.

In der Vergangenheit waren Sie oft zu Saisonbeginn stark, im Jänner kam ein Rückfall. Wie würden Sie ihre derzeitige Formkurve beschreiben?

Denifl: Meine Form ist ansteigend. Ich war in den Jahren zuvor darauf getrimmt, am Saisonanfang und möglichst die ganze Saison hindurch gut zu sein. Ich habe jedoch über die Jahre gelernt, dass sich das bei mir einfach nicht ausgeht. Im Jänner, wo es wichtig ist, kam meist ein Einbruch.

Sind Sie derzeit so stark wie noch nie zuvor in Ihrer Laufbahn?

Denifl: Wenn du als Sportler nicht jedes Jahr besser wirst, dann bist du nirgendwo mehr. Heute ist alles eng beisammen, jede Saison steigt das Leistungsniveau an. Stillstand ist ein Schritt zurück.

Sie sind noch nie bei Olympischen Spielen gestartet. Werden Sie ein Ticket für Sotschi bekommen?

Denifl: Ich möchte nach Sotschi fahren, weil ich davon überzeugt bin, dass ich ganz vorne mitmischen kann. An einem guten Tag ist mit mir immer zu rechnen. Ich traue mir in Sotschi alles zu!

Russland macht derzeit abseits von Olympia Schlagzeilen. Hermann Maier kritisierte das Homosexuellen-Gesetz als nicht angebracht. Wie denken Sie über Homosexualität?

Denifl: Ich finde das okay, jeder soll tun was ihm besser gefällt. Für mich gibt es keine besseren oder schlechteren Menschen. Nicht alle trinken Bier. Andere trinken lieber Wein. Das ist bei der Sexualität das Gleiche.

Die Nordische Kombination gilt als Königsdisziplin, steht aber im Schatten von Skispringen und Biathlon.

Denifl: Ich glaube das ist ein Phänomen in Österreich. In Deutschland sind wir bei den TV-Einschaltquoten fast gleichauf mit den Springern. Wenn wir Österreicher vorne dabei sind, dann kommen auch die Zuschauer.

Wurden Sie nach ihrem Premierensieg mit Gratulationen überhäuft?

Denifl: Viele Leute haben sich für mich mitgefreut. Ich werde aber nicht nur auf das Gewinnen reduziert. Die Leute mögen den Willi auch ohne Sieg – und das bedeutet mir noch viel mehr!

Wann folgt Sieg Nummer zwei?

Denifl: Hoffentlich am Freitag.

Das Gespräch führte Benjamin Kiechl




Kommentieren