Letztes Update am Mo, 18.05.2015 11:54

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


60. Song Contest: Symposium lotet den ESC im politischen Kontext aus



Wien (APA) - Ein Symposium hat sich am Montagvormittag im Haus der Europäischen Union in Wien mit der Signifikanz des Song Contest im Kontext zu den kulturellen, ökonomischen und politischen Beziehungen zwischen Europäern, Europa und der Welt beschäftigt. Norwegens einstige Kulturministerin und Ex-ESC-Starterin Ase Kleveland, betonte dabei die Wichtigkeit des ESC gerade für junge Nationen.

Kleveland ist eine von drei ehemaligen ESC-Teilnehmerinnen, die bei der heutigen Veranstaltung auch stellvertretend für den unterschiedlichen Zugang ihrer Heimatländer zur EU standen - die Bosnierin Ismeta Dervoz, 1976 für das ehemalige Jugoslawien angetreten und Claudette Buttigieg aus Malta, die 2000 für ihr Land antrat, sollten das Trio komplettieren. Auch diese beiden Teilnehmerinnen übten später politische Funktionen aus.

„Ich war die erste Frau, die beim Song Contest Hosen trug“, erinnerte sich die 66-jährige Kleveland an ihren Auftritt im Jahr 1966. Die politische Bedeutung des ESC solle zwar nicht überstrapaziert werden, sagte Kleveland, aber wenn der Song Contest stattfinde, so sei er auch eine „nationale Arena“.

Der ESC trägt natürlich auch zum Image der teilnehmenden Staaten bei, durch den Sieg von Conchita Wurst im Vorjahr etwa durch die öffentliche Wahrnehmung, dass Österreich ein tolerantes Land sei. „Der ESC kann die Realität aber nicht ersetzen“, sagte der Public-Value-Beauftragte des ORF, Klaus Unterberger, dann bei der ersten von insgesamt drei Podiumsdiskussion, die für den Montag angesetzt waren. Bei der Diskussion zum Thema „Integration und Stereotypen“ betonte Unterberger, dass Europa den Gemeinschaftsgedanken notwendig habe und der ESC diesen Bedarf mit erfülle.

„Österreich sendet zwar Toleranz“, sagte hingegen Vanessa Spanbauer, stellvertretende Chefredakteurin der Zeitschrift „Fresh“, die den „Black Austrian Lifestyle“ thematisiert. „Schwarze Österreicher sind aber nicht im Alltagsleben vertreten und es gibt Rassismus trotz Role-Models wie David Alaba.“ Bemerkenswerterweise wurde die angesprochene Toleranz im Jahr 2000 mit den österreichischen ESC-Starterinnen, den teils dunkelhäutigen Rounder Girls zu einem Zeitpunkt versendet, als das Land gerade den EU-Sanktionen als Folge der schwarzblauen Koalition ausgesetzt war. Auch Kleveland, die den ESC von 1986 im norwegischen Bergen moderierte, bemerkte, dass Österreich in diesem Jahr von der Waldheim-Affäre belastet wurde und Timna Brauer als Kandidatin schickte.

„Österreich ist nicht Disney Land, ist nicht ‚Sound of Music‘“, unterstrich Unterberger, denn natürlich gebe es in Österreich Xenophobie und Intoleranz. Der Sieg von Conchita Wurst habe aber dafür gesorgt, dass die Intoleranten kurz einmal still waren. „Der Song Contest ist auch ein Beitrag zur Demokratie in Europa“ hob der Public Value-Beauftragte hervor.

Dass der Song Contest jedoch nicht frei und Ambivalenzen ist, zeigte dann die Diskussion um politische Inhalte auf. So setzt der ESC durch seine Teilnehmer oft klare, politische Statements, im Fall von Wurst etwa eines für Toleranz, politische Inhalte in den Texten verstoßen hingegen gegen das Reglement. So geschah es etwa 2009, dass der damalige georgische Beitrag zum 54. Eurovision Song Contest in Moskau mit dem Titel „We Don‘t Wanna Put In“ von Stephane and 3G nicht zugelassen wurde. Die Europäische Rundfunkunion (EBU) ortete in dem Wortspiel mit dem Namen des damaligen russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin einen Bruch der Statuten, wonach keine Texte oder Gesten „mit politischem oder ähnlichem Charakter“ zugelassen seien.

Nachdem der Beitrag abgelehnt wurde, zog Georgien seine Teilnahme am Song Contest zurück. Zwei Jahre zuvor wurde jedoch der Beitrag der israelischen Gruppe Tea-Packs namens „Push the Button“ (Drück den Knopf) trotz seiner indirekten Seitenhiebe auf den Iran und dessen damaligen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad zugelassen. „Der ESC ist keine Plattform für politische Inhalte“, stellte Dave Goodman, bei der EBU für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, klar. Metaphorische Anspielungen, wie im Fall von Israel, seien jedoch erlaubt.

((Das Symposium im Haus der Europäischen Union endet gegen 16.00 Uhr))

~ WEB http://orf.at ~ APA304 2015-05-18/13:50




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