Letztes Update am Mi, 03.06.2015 17:03

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Olympia: Bach im Interview über das IOC-Image und Österreichs Chancen



Wien (APA) - Nachgefragt bei IOC-Präsident Thomas Bach anlässlich seines Besuches am Mittwoch in Wien:

Frage: Wie sehen sie das IOC, das früher auch Korruptionsprobleme hatte, in der öffentlichen Wahrnehmung? Geht die Imagekurve des IOC wieder nach oben?

Thomas Bach: „Es ist so, dass das IOC in der Tat diese Problematik vor über 15 Jahre hatte und tiefgreifende Reformen vorgenommen hat, dass wir weltweit auch sehen, wie sehr das anerkannt wird. Ich habe in den eineinhalb Jahren meiner Amtszeit mehr als 120 Staats- und Regierungschefs getroffen und mit denen über olympische Fragen und die Werte des Sports diskutiert. Ich glaube nicht, dass die sich mit mir getroffen hätten, wenn sie ein Misstrauen gegenüber dem IOC hegen würden. Wir haben exzellente Beziehungen in unserer Eigenschaft als offizielle Beobachter bei den Vereinten Nationen, hier hat die Generalversammlung im letzten Oktober eine Resolution verabschiedet, in der die Führungsrolle des IOC im olympischen Sport nicht nur anerkannt, sondern unterstützt wird. Ich glaube nicht, dass sie so etwas machen würde, eine solche deutliche politische Erklärung, wenn sie Probleme in der Governance des IOC sehen würde. Und wir haben schließlich im Bereich der Sponsoren und Fernsehrechteinhaber sehr weitreichende Verträge abgeschlossen, die zum Teil bis in das Jahr 2032 gehen. Ich glaube wiederum nicht, dass ein Unternehmen, dass eine kommerzielle Fernsehanstalt solche weitreichenden Verträge abschließen würde, wenn man nicht vollstes Vertrauen in die Governance, in die Integrität und vor allem auch in die Olympische Agenda 2020 hätte. All das sind Zeichen des Vertrauens, nicht nur Lippenbekenntnisse, sondern wirklich greifbare Signale von Vertrauen.“

Wünschen Sie, dass sich Österreich wieder für Winterspiele bewirbt?

Thomas Bach: „Ja. Österreich hat alle Voraussetzungen, um ein großartiger Gastgeber für Olympische Winterspiele zu sein. Es ist von der Geografie, bis zur Liebe der Österreicher zum Wintersport, der Verbundenheit mit den Athleten und der Infrastruktur praktisch alles vorhanden. Für ein Land wie Österreich, in dem diese Gegebenheiten schon alle da sind, bietet die Olympische Agenda 2020 auch noch mal einen Zusatzvorteil, weil die Agenda ja gerade ermutigt, bestehende Infrastruktur und Sportstätten zu nutzen. Daher wäre eine Bewerbung von Österreich alleine durch die Tatsache, dass sie aus Österreich kommt, eine sehr starke.“

Sind gemeinsame Olympische Spiele von beispielsweise Tirol, Südtirol und Bayern vorstellbar?

Bach: „Ich kann mir viel vorstellen. Das ist eben auch etwas, was die Olympische Agenda ändern will und wie wir bereits aus den Bewerbungen für 2024 gesehen haben, schon geändert hat. Dass wir nicht kommen wollen, und sagen: Macht mal dieses und jenes oder wir können uns das so vorstellen. Sondern, dass wir im Gegenteil die Initiative und Kreativität den Bewerbern überlassen. Dass sich in dem Fall das ÖOC die Lage anschaut und überlegt, wie würden Olympische Spiele in unsere österreichische und europäische Planung im Bezug auf Sport, auf nachhaltige Entwicklung, finanzielle Gegebenheiten und Ökologie passen, und dann mit dieser Planung zum IOC kommen und mit uns darüber zu reden.“

Frage: Wie beurteilen Sie den Rücktritt von Marius Vizer als Chef der Vereinigung internationaler Sportverbände (SportAccord), der Sie zuvor scharf kritisiert hatte?

Bach: „Das ist wirklich kein großes Ereignis. Vizer hat eine Meinung, die er exklusiv für sich hatte, vertreten. Er hat dann aber sehen müssen, dass er tatsächlich alleine ist und hat daraus die Konsequenzen gezogen.“

(Aufgezeichnet von Manuel Zankl/APA)




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