Letztes Update am So, 05.07.2015 08:05

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


styriarte: Nikolaus Harnoncourt gestaltete bewegende „Missa solemnis“



Graz (APA) - Am Samstag ist im Grazer Stephaniensaal einer der Höhepunkte der styriarte über die Bühne gegangen: Nikolaus Harnoncourt leitete eine packende „Missa solemnis“, gleichzeitig war die Messe als ORF-Klangwolke in der gesamten Steiermark zu hören. Der Dirigent setzte erstmals Beethovens Spätwerk mit alten Instrumenten um und der Concentus Musikus Wien schuf gekonnt ein farbiges Klangbild.

Vor dem Konzert wurde ein kurzer Film von Günter Schilhan gezeigt, der bei den Proben zur „Missa solemnis“ gedreht worden war. Man sieht die penible Arbeit Harnoncourts, und bekommt schon eine Ahnung, dass es bei diesem Werk auch sehr direkt und heftig zugehen kann, abgehobene Schönheit steht nicht im Vordergrund.

Harnoncourt hat sich bei dieser Aufführung anders als bei vorherigen Interpretationen dieses Werks für alte Instrumente entschieden, um damit dem möglichen Originalklang nahe zu kommen. Dadurch geraten manchmal die Streicher etwas ins Hintertreffen, doch die ungewöhnliche Gewichtung eröffnet auch neue Möglichkeiten. Die Solisten und ganz besonders der hervorragenden Arnold Schoenberg Chor harmonieren mit diesem Klang perfekt. Das tönt hier manchmal wie ein Aufschrei, wie ein Jubel trotz aller Widrigkeiten. Dem Credo wohnt eine sanfte Beharrlichkeit inne, aber wenn vom Jüngsten Gericht die Rede ist, vermeint man einen Blick in die Hölle zu tun.

Laura Aikin sang innig die Sopranpartie, Bernarda Fink konnte mit warmen Alt mithalten. Johannes Chum mit geschmeidigem Tenor und Bassist Ruben Drole verliehen dem Werk zusätzlichen Glanz. „An der Grenze zum Abstürzen ist es am Schwierigsten“, formulierte es Harnoncourt in dem Probenfilm. An dieser Grenze balancierte die ganze Aufführung bravourös.

(S E R V I C E - „Missa solemnis“ von Ludwig van Beethoven. Konzert der styriarte im Grazer Stephaniensaal. Weitere Termine: 5. und 6. Juli, jeweils 20.00 Uhr. http://www.styriarte.com)




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