Letztes Update am Do, 30.07.2015 17:42

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Milchbauern für höhere Preise - Deutsche sehen Handel in der Pflicht



Berlin/Wien/Paris (APA) - Ein Preissturz sowie das Russland-Embargo machen nicht nur heimischen und etwa französischen Milchbauern zunehmend zu schaffen - jedenfalls schlägt nun auch der deutsche Bauernverband laut dpa Alarm. „Der aktuelle Milchauszahlungspreis ist nicht kostendeckend“, so die deutschen Bauern.

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Die Preise müssten dringend deutlich steigen: „Ansonsten werden zahlreiche Milchviehbetriebe in ihrer Existenz gefährdet“, hieß es am Donnerstag vom deutschen Bauernverband.

Dabei warf zuletzt der französische Bauernverband FDSEA vor allem den deutschen Konkurrenten vor, mit Lohndumping den Wettbewerb zu verzerren. Sogar Grenzübergänge waren von wütenden französischen Bauern blockiert worden.

Der deutsche Bauernverband rief nun hingegen den Lebensmittelhandel zu einem „Ende der Niedrigpreisstrategie“ auf. Nötig seien zudem eine Exportoffensive sowie verbesserte Molkereistrukturen. Außerdem müssten politische Initiativen zur Aufhebung des Russland-Embargos ergriffen werden. Die Zusatzeinnahmen aus der sogenannten Milchquoten-Superabgabe der EU sollten genutzt werden zur Überbrückung der Liquiditätsengpässe, die vor allem im russischen Importembargo begründet liegen.

Der deutsche Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) zeigte sich besorgt über die aktuellen Erzeugerpreise. Eine Preisspirale nach unten helfe niemandem - auch nicht den Konsumenten. „Unsere Milch ist einen guten Preis wert, und die Erzeuger müssen davon leben können“, sagte Schmidt. Anfang September werde der EU-Agrarart gegebenenfalls die EU-Kommission um Prüfung von Gegenmaßnahmen bitten.

Im ersten Halbjahr 2015 haben die deutschen Milchbauern dem Verband zufolge knapp ein Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum gemolken. In der EU sei die Milchproduktion in etwa stabil geblieben. Die Erzeugerpreise seien jedoch von 40 Cent je Liter Milch im Jänner 2014 auf unter 28 Cent im Juli 2015 abgestürzt. In Österreich wird geringfügig mehr ausbezahlt, rund 30 Cent.

„Dieser massive Preiseinbruch wurde durch das Russlandembargo sowie durch konjunkturelle Schwächen in für den Export wichtigen Drittländern verursacht“, sagte Vizepräsident Udo Folgart laut dpa. Dem Lebensmittelhandel warf er vor, seine Marktmacht auszunutzen.

In Österreich sah das zuletzt Agrarminister Andrä Rupprechter etwas anders. Er griff die Molkereien an - auch wenn es in Österreich wie auch in Deutschland eine konzertierte Handelsstruktur gebe. Sie würden sich gegenseitig unterbieten, anstatt neue Absatzmärkte zu erschließen. Die Forderung Rupprechters nach höheren Milch-Exporten nach China, war für den Molkereiverbands-Präsidenten Helmut Petschar angesichts der derzeit sehr schwierigen Marktlage in China „nicht nachvollziehbar“. Die Exportquote der heimischen Milchwirtschaft betrage bereits rund 50 Prozent. „Ich würde mir ein stärkeres Engagement auf Drittmärkten wünschen, anstelle sich in der Heimat gegenseitig zu unterbieten - das ist mein Vorwurf“, sagte Rupprechter kürzlich zur APA in Richtung der Milchverarbeiter. Trotz des Endes der EU-Milchquotenregelung sei die Anlieferungsmenge Rupprechter zufolge gesunken. „Daher ist der Druck vom Markt nicht gerechtfertigt.“

Die Milchpreis-Entwicklung gleicht in den vergangenen Jahren einer Berg- und Talfahrt. Der Milchpreis erreichte einen Höhepunkt im Jänner 2008 mit 40,5 Cent/kg. Im Zuge der Wirtschaftskrise 2008/09 stürzte er auf 24,7 Cent/kg im Juli 2009 ab. Dann kletterte der Milchpreis bis Anfang 2014 wieder auf 42 Cent. Aktuell liegt er nun wieder bei 30 Cent.




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