Letztes Update am Fr, 21.08.2015 07:27

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


„Der Blunzenkönig“: Ein Schinken vom flachen Land



Wien (APA) - Karl Merkatz kommt am Donnerstag wieder mit seiner Paraderolle ins Kino: Als grantelnder Karl Merkatz. Das filmische Vehikel hierfür ist diesmal „Der Blunzenkönig“ nach dem Buch von Christoph Frühwirth, in dem der „echte Wiener“ den alten Wirt und Fleischhauer eines Gasthauses spielt, der den Betrieb an seinen Sohn vererben will. Nur steht der bald mit einer Veganerin auf der Matte.

Damit steht die Welt des Blunzenkönig kurz vor dem Kollaps: Schließlich hatte er doch einst als Meister des Blutwurstguglhupfs sein erfolgreiches Wirtshaus aufgebaut. Dass der Betrieb aber trotz der tatkräftigen Unterstützung der guten Seele Rösli (Inge Maux) schon lange nicht mehr läuft und letztlich nur von den beiden Ortssäufern lebt, will der alte Patriarch nicht wahrhaben - ebenso wenig, dass Sohnemann Franzl (Andreas Lust) lieber im Lagerhaus jobbt oder auf Weltreise gehen möchte, als ins sterbende Gastgewerbe einzusteigen.

Zumindest letzteres ändert sich, als Franzl seine einstige Schulkollegin Charlotte (Jaschka Lämmert) beim Klassentreffen schwängert. Die passionierte Veganerin mit Bioladen und der Gastwirtssohn kommen sich auch danach näher und beschließen, den Landgasthof in eine fleischfreie Zone zu verwandeln. Da bleibt dem Blunzenkönig nur mehr, der letzten Sau Mariandl im Stall sein Leid zu klagen, die beim finalen Sautanz geschlachtet werden soll. Aber Blutwurst ist bekanntlich dicker als Wasser, und so geht alles gut aus.

Der rurale Humorreigen hätte mit etwas weniger klischeehaften Charakteren durchaus Charme entfalten können. Leider spielt „Der Blunzenkönig“ aber in der niederösterreichischen Einschicht mit Figuren, die ähnlich flach wie die Landschaft sind. Nach dem Buch und seiner Audioversion, der bereits Karl Merkatz seine Stimme lieh, hat Autor Christoph Frühwirth nun ein Drehbuch aus dem Stoff gemacht. Dieses bietet vor allem Merkatz die Gelegenheit, wieder als grantelnder Choleriker herumzuschreien und vermeintliche Kultsprüche zu klopfen.

Dennoch bleibt das Inszenierungstempo von TV-Experte Leo Bauer („Die Lottosieger“) gemächlich, ohne dabei Atmosphäre aufzubauen. Die Temporeduktion reicht allerdings, um die moderaten Entwicklungen der Handlungen nicht stringent erscheinen zu lassen, sondern zu fragmentieren. Aber vielleicht sind solche Details einem echten Merkatz-Fan aber auch blunzen.

(S E R V I C E - www.derblunzenkoenig.com)




Kommentieren