Letztes Update am Fr, 28.08.2015 09:24

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Forum Alpbach: Bioökonomie vielerorts weiter als in Österreich



Alpbach (APA) - In der Bioökonomie spielte Europa weltweit eine Vorreiterrolle, sagten Experten im Rahmen der Alpbacher Technologiegespräche gegenüber der APA. Mittlerweile sei sie global verbreitet, und neben einigen EU-Staaten und den USA haben auch Schwellenländer in Asien und Südamerika Strategien entwickelt, wie man sie fördern und umsetzen kann. In Österreich ist man allerdings noch nicht ganz so weit.

Die Bioökonomie ist eine nachhaltige, auf biologischen Rohstoffen basierte Wirtschaft- und Industrieform, die sich die natürlichen Stoffwechselkreisläufe zum Vorbild nimmt. Man habe in Europa zunächst sehr viel konzeptionelle Arbeit geleistet und sich damit befasst, was Bioökonomie ausmacht, so Ulrich Schurr vom Bioeconomy Science Center in Jülich. Außerdem galt es, die Grenzen zwischen den Beteiligten zu überwinden - von der chemischen Industrie über die Ernährungsspezialisten und Energieexperten bis zu den Endnutzern - und Kommunikationswege zu schaffen, sagte er.

Der Prozess habe vor über zehn Jahren angefangen, die EU und Deutschland hätten dabei die Führung übernommen, erklärte Joachim von Braun, Vorsitzender des deutschen Bioökonomierats. Mittlerweile haben sich über 30 Länder einer Bioökonomie-Strategie verschrieben, etwa Deutschland, Finnland, Dänemark, Irland und die Niederlande, die USA, Russland, Südamerika, China, Indien, Südafrika und Malaysia. „Es sind also auch viele Schwellenländer dabei. Damit ist die Bioökonomie ein globales Thema geworden“, so von Braun.

In Deutschland wurde 2010 eine Bioökonomie-Forschungsstrategie verabschiedet, 2014 folgte eine Politikstrategie, erklärte er. Weiters rief man einen Bioökonomierat ins Leben, der die Minister in der Umsetzung der Forschungs- und Politikstrategie berät.

„Der Rat versteht sich aber nicht nur als Unterstützer der Bundesregierung, sondern auch für die breite Öffentlichkeit, die Wirtschaft und die Zivilgesellschaft“, so Braun. Es sei für den Erfolg der Bioökonomie wichtig, nicht nur die technischen Innovationen ins Zentrum zu rücken, sondern auch ein angemessenes Regelwerk zu schaffen, also sogenannte ‚Institutionellen Innovationen‘ voranzutreiben. Dafür wäre eine Unterstützung der Öffentlichkeit notwendig. „Wir haben deshalb großes Augenmerk auf Kommunikation gelegt“, sagte er.

„Was wir auch gelernt haben, ist, dass zur Bioökonomie Kaskadenwirtschaft gehört und man an jeden Schritt von den Rohstoffen über den Erstverbrauch bis zur Verwertung nach dem Verbrauch denken muss“, so Braun. Es sei hingegen „schlechte Bioökonomie“, wenn man etwa Getreide einfach zur Energiegewinnung verbrennt.

„Je nach Problemstellungen werden regional sehr unterschiedliche Lösungsansätze nötig sein“, meint Schurr. Bioökonomie funktioniere nicht als generelle Idee, die man überall drüberstülpen kann. „Es gibt zum Beispiel in Europa, Nord- und Lateinamerika, Südostasien und China jeweils regionale Implementierungen, die sich sehr stark an den jeweiligen naturräumlichen, wirtschaftlichen und industriellen Gegebenheiten, den Kompetenzen und politischen Fragen orientieren“, sagte Schurr.




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