Letztes Update am So, 06.09.2015 08:15

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Flüchtlinge - Unternehmer Illy kritisiert ungarische Regierung



Cernobbio (APA) - Der italienische Unternehmer ungarischer Abstammung, Riccardo Illy, Inhaber des gleichnamigen Triester Kaffeerösters, hat die Regierung in Budapest wegen ihres Umgangs mit den Flüchtlingen kritisiert. „Ein Viertel meines Blutes ist ungarisch, und ich bin wegen der Haltung der ungarischen Regierung verbittert“, sagte Illy im Gespräch mit der APA.

„Der Beschluss, sich gegen die Flüchtlingswelle zu wehren, ist nicht nur sinnlos, sondern auch mit der ungarischen Geschichte inkohärent. Die Ungarn sollten sich erinnern, dass zur Zeit der Invasion durch die Sowjetunion tausende Ungarn nach Westeuropa geflüchtet sind, wo sie aufgenommen wurden“, sagte der 59-jährige Illy, Gast am Wirtschaftsseminar „Ambrosetti“ im lombardischen Cernobbio.

Laut dem Triester Unternehmer, der lang als Präsident die norditalienische Region Friaul Julisch Venetien geführt hat, muss Europa eine gemeinsame Strategie im Umgang mit der Flüchtlingsproblematik finden. Dabei müsse man zwischen Menschen auf der Flucht vor Kriegen, Verfolgung und Hunger und den Wirtschaftsmigranten unterscheiden. „Es könnte kontraproduktiv sein, alle Wirtschaftsmigranten auf der Suche nach einer besseren Lebensqualität aufzunehmen, denn dann würde man die Botschaft in die Welt senden, dass Europa alle aufnimmt. Doch dazu sind wir nicht in der Lage“, sagte Illy.

Europa müsse sich auch dafür einsetzen, nicht nur die Flüchtlinge aufzunehmen, sondern auch ihre Integration zu fördern und Arbeitsplätze für sie zu finden. „In Ländern wie Italien besteht die Gefahr, dass die Phase der Aufnahme Jahre lang dauert, ohne dass man zur Phase der Integration kommt“, sagte Illy.




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