Letztes Update am Fr, 18.09.2015 13:07

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wirtschaftsweiser: Fed zögert Zinswende zu lange hinaus



Berlin (APA/Reuters) - Die US-Notenbank Fed hat nach Ansicht des Wirtschaftsweisen Volker Wieland den geeigneten Termin für die Zinswende verpasst. „Es wäre an der Zeit gewesen, moderat in eine Erhöhung einzusteigen“, sagte der Frankfurter Ökonom am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Fed hatte am Donnerstag die Leitzinsen auf dem historisch niedrigen Niveau von 0 bis 0,25 Prozent belassen. Dort liegen sie seit dem Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise Ende 2008.

Nun wachse die Gefahr, dass die extrem lockere Geldpolitik auf Dauer zu Übertreibungen und Schwankungen der Vermögenspreise führe, „etwa an den US-Aktienmärkten“. Dabei habe Fed-Chefin Janet Yellen stets betont, dass der erste kleine Zinsschritt gar nicht so wichtig sei. „Nun zögert sie ihn dennoch weiter hinaus“, kritisierte der Wirtschafswissenschafter, der als junger Ökonom unter dem damaligen Fed-Chef Alan Greenspan in den 1990er-Jahren und nach der Jahrtausendwende selbst für die US-Zentralbank tätig war.

Nun könnten manche Marktteilnehmer vielleicht sogar darauf spekulieren, dass die Zinswende nicht mehr dieses Jahr komme: „Yellen trägt mit ihrer Kommunikation zur Verunsicherung der Märkte bei.“ Dass sie das jüngste Börsenbeben in China und Probleme der Schwellenländer als Gründe für das Festhalten am Nullzins heranziehe, findet Wieland nicht schlüssig: „Mir scheint, dass die Fed die Wirkungen dieser Verwerfungen auf die USA überschätzt, zumal die Vereinigten Staaten nicht in größerem Maße in die Schwellenländer exportieren.“

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Mit Blick auf die derzeit rund laufende US-Konjunktur sei das Zögern bei der Zinswende jedenfalls unverständlich: Laut Wieland wäre ein Leitzinssatz von 3,5 Prozent weit eher angebracht als eine Nullzinspolitik. Die Fed habe mit ihrer allzu lockeren Geldpolitik in der Vergangenheit mit dazu beigetragen, dass es nach der Jahrtausendwende zu der Internet-Blase und 2007/08 zum Platzen einer Immobilienpreisblase gekommen sei: „Die Zinsen wurden unter den ehemaligen Fed-Chefs Greenspan und Ben Bernanke zu langsam angepasst. Es besteht die Gefahr, dass die Fed unter Yellen ähnliche Fehler begehen wird.“

~ WEB http://www.federalreserve.gov/ ~ APA316 2015-09-18/13:02




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