Letztes Update am Mo, 09.11.2015 09:25

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Steirische Chemikerin macht trockenem Kalifornien Hirse schmackhaft



Berkeley (Kalifornien) (APA) - Was verbindet eine junge steirische Chemikerin in den ersten Monaten an der University of California (UC) in Berkeley und ihre aus Indien stammende Mitbewohnerin? Die vergebliche Suche nach Hirse, die beide aus ihrer Heimat kennen. Denn in Kalifornien ist das Getreide höchstens als Vogelfutter bekannt. Dabei wäre es für den vertrocknenden US-Bundesstaat ideal, sagte Patricia Bubner zur APA.

Bubner ging 2013 nach ihrem Doktorat an der Technischen Universität Graz an das Energy Biosciences Institute der UC in Berkeley, um auf ihrem Spezialgebiet, dem enzymatischen Abbau von Zellulose zu forschen. In den ersten Monaten wohnte sie bei Amrita Hazra, ebenfalls eine Chemikerin. Auch wenn Kalifornien und speziell die Bay-Area rund um San Francisco in den USA durchaus eine Vorreiterrolle bei Bio- und gesunder Ernährung einnehmen, vermissten beide die Nahrungsmittel-Vielfalt, die sie aus ihrer Heimat kannten. Viel mehr als Mais, Reis und Weizen gibt es nicht in den Supermärkten, so Bubner, in Bio-Läden findet sich vielleicht noch das als Urgetreide boomende Quinoa - von Hirse keine Spur.

„Dabei würde sich das Getreide aufgrund seiner hohen Trockenheitstoleranz sehr gut für das seit einigen Jahren unter Dürre leidende Kalifornien eignen“, sagte Bubner und begann gemeinsam mit Hazra - ganz auf amerikanische Art - die Dinge einfach anzupacken. Unterstützung bekamen sie von Gavin Abreu, der Wirtschaftswissenschaften an der UC Berkeley studiert und bereits mehrere Firmen im Gastronomiebereich in seiner Heimat Mexiko gegründet hatte.

Gemeinsam riefen die drei das „The Millet Project“ (Das Hirse-Projekt) ins Leben und erhielten Anfang dieses Jahres vom Berkeley Food Institute eine Initialförderung für innovative Projekte in Höhe von 24.000 Dollar, um den Anbau von Hirse in Kalifornien zu erforschen und das Getreide bekannter zu machen. Auf einem Versuchsgelände der UC Berkeley bauten sie vier verschiedene Hirsesorten unter unterschiedlichen Bewässerungsbedingungen an und überzeugten auch mehrere Bauern im Norden Kaliforniens vom versuchsweisen Anbau.

„Wir verfolgen keine kommerziellen Interessen, sondern sind grundsätzlich an der Sache interessiert und wollen auch einen Beitrag zur Vielfalt leisten“, sagte Bubner. Die Hirse sei nicht nur gesund, sondern auch viel billiger als etwa Quinoa und könnte auch für die kalifornischen Bauern interessant sein. „Auf unserer Tour zu Bauernhöfen nördlich von San Francisco fiel uns auf, dass dort viel Reis oder Mandeln angebaut werden, die stark auf Bewässerung angewiesen sind - verrückt für einen Bundesstaat wie Kalifornien“, betonte die Wissenschafterin.

Hirse sei hingegen relativ anspruchslos und gedeihe, auch in sehr trockenen Gebieten und auf nährstoffarmen Böden. Zudem sei die Vegetationsperiode von der Aussaat bis zur Ernte mit rund 110 Tagen deutlich kürzer als etwa von Weizen oder Reis. Zur Aussaat wurde auch gleich Bubners Mutter Elisabeth eingespannt, die gerade auf Besuch war. „Sie ist schließlich schuld daran, dass ich Hirse gerne mag“, so Bubner mit Augenzwinkern.

Werbung für „ihr“ Getreide machten die Wissenschafter Ende August bei einer Art Erntedank-Fest auf dem Versuchsgelände der UC Berkeley. Dabei gab es nicht nur Hirse-Laibchen, sie ließen auch Hirse-Bier brauen und Bubner überzeugte sogar den Fleischhauer von Berkeley, Breinwurst herzustellen. Diese steirische Spezialität wird aus Schweinefleisch und Hirse gemacht.

Bei Bubner und ihren Kollegen haben sich bereits zahlreiche neue Bauern über das Projekt erkundigt und wollen im kommenden Jahr das Getreide, das nachweislich schon vor 8.000 Jahren verwendet wurde, anbauen. Und auch ihre eigenen Anbauversuche wollen sie ausweiten.

(SERVICE - Internet: www.themilletproject.org)




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