Letztes Update am Mo, 16.11.2015 09:44

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirols „Landesmutter“ sucht sich selbst auf der Theaterbühne



Innsbruck (APA) - Margarete von Tirol-Görz, genannt „Maultasch“, blickt nach einem ereignisreichen Leben zurück auf ihre Vergangenheit und versucht dabei, sich selbst zu finden. Einst eine wichtige Person, ist sie nun gefangen im Pflegealltag mit ihrer Schwester. Mit viel schwarzem Humor überzeugte die Uraufführung von „Maultasch“ das Premierenpublikum am Sonntagabend im „K2“ des Tiroler Landestheaters.

Das Stück des Tiroler Autors Martin Plattner präsentiert sich alles andere als ein bloßes Historiendrama über die einstige Herrscherin des Landes Tirol. Mit teils skurrilen und bizarren Szenen zeigt Plattner die patriarchalen Begrenzungen weiblicher Handlungsspielräume auf, die nicht nur im 14. Jahrhundert, zur Zeit der Margarete Maultasch, herrschten, sondern auch noch in der Gegenwart, beispielsweise bei der häuslichen Pflege, greifbar werden.

Plattner transferiert die historische Figur für sein Stück in eine Art Zwischenzeit, in der sowohl historische Begebenheiten, wie Margaretes politische Ehen und ihr Kampf um Tirol, als auch Gegenwärtiges, wie Tourismusverbände, Skigebiete und Pistenraupen ihren Platz finden. Nachdem „die Maultasch“ zwei Ehemänner sowie vier Kinder überlebt und ihr Erbland Tirol an die Habsburger abgetreten hat, muss sie sich nun in Plattners Stück um ihre verrückte Schwester kümmern. Die einstigen Scharen an Bediensteten sind längst weg, lediglich Weirat, eine Pflegehilfe aus dem Ausland, ist noch geblieben. Sie sorgt sich aber eher um „faire Arbeitsbedingungen“ und „Skipässe zum Einheimischentarif“, als um die kranke Schwester.

Immer wieder durchbrechen die Darsteller die „vierte Wand“ und richten das Wort direkt an das Publikum oder sprechen an, dass da doch fremde Menschen sitzen und ihnen zuschauen. Margaretes Schwester Adelheid fordert sogar eine Handlung ein, denn das häusliche Leben dreier Menschen und der gewöhnliche Pflegealltag seien doch viel zu langweilig. Zumindest ein Intermezzo müsse Margarete doch zustande bringen, verlangte Adelheid. Mit diesen absurden Szenen schafft Plattner heitere Momente in einer an sich ernsten Thematik.

(S E R V I C E - „Maultasch“, von Martin Plattner in der „K2“ des Tiroler Landestheaters. Mit Philipp Jescheck (Regie), Katharina Ganner (Bühne und Kostüm), Lukas Atzl (Licht), Janine Wegener (Margarete), Ulrike Lasta (Adelheid), Christoph Schlag (Weirat). Weitere Aufführungen am 27. und 29. November, am 11., 12., 18. und 20. Dezember sowie am 9. und 17. Jänner 2016, www.landestheater.at/)




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