Letztes Update am Mi, 18.11.2015 13:05

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


„Aufgerissenen Auges“: „Transmanierismen“ in der Bildenden



Wien (APA) - So unaussprechlich der Titel, so verspielt ist der Spaziergang vom Paradies ins Fegefeuer, zu dem eine neue Ausstellung in der Akademie der bildenden Künste Wien einlädt. Die morgen, Donnerstag, mit einem Performance-Parcours eröffnende Schau „Aufgerissenen Auges: Transmanieristische Reaktionen“ stellt historischen Manierismus und seine Themen mit queerer Kunst und Performancekunst in Bezug.

Dem „holpernden Titel“, so Kuratorin Ruby Sircar bei einer Presseführung am Mittwoch, liegt der manieristische Garten Sacro Bosco von Bomarzo zugrunde. In der Übergangszeit von der Renaissance zum Barock entstanden, fordert eine Sphinx den Besucher am Eingang des Gartens zum Durchschreiten „mit hochgezogenen Augenbrauen und angespannten Lippen“ auf, um Raum und Körper voller Staunen wahrzunehmen. Auch im xhibit gibt es inmitten von Video-, Performance- und Soundinstallationen, Gemälden und Skulpturen von mehr als 40 Künstlern, darunter Burlesque- und Dragformate, gegebene Umstände zu hinterfragen und einiges zu Bestaunen. Dabei „überlagert sich alles gegenseitig und arbeitet sich aneinander ab“, meinte Sircar in Bezug auf die je nach Raum variierenden Soundteppiche und die optische Überforderung.

So beginnt die Schau, die sich mit Performances auch in die Gemäldegalerie und den Schillerpark erweitern wird, konsequent mit einem bunten, prall gefüllten „Paradiesischen Garten“. Hier wuchern u.a. Pflanzen aus der Meisterklasse für Malerei Friedensreich Hundertwasser wuchern und präsentiert Eva Hettmer einen rosa verfliesten, „vulvaminösen“ Springbrunnen. Der in den zweiten Raum führende Gang mit abstraktem Wandteppich von Luisa Kasalicky hält für das „Aha-Erlebnis der englischen Gartenarchitektur des 19. Jahrhunderts“ her, als laut Sircar eine Rückfindung zum klassischen Manierismus stattfand und Crossdressing und Dandytum im Alltag sichtbar wurden.

Auffällig dann auch die oft glitzernden, grotesken und Alltagsgegenstände einbindenden Arbeiten in der „Cave of Wonders“: Da baumelt ein Wal aus Papiermaschee von Andi Dvorak von der Decke, tanzt der „Macho Man“ auf einen Filmstreifen auf einer schmalen, beleuchteten Bühne (Installation: Stephanie Misa) und nehmen Parastu und Ziba Malousy mit ihrer Installation „Hair extensions“ auf die „Dürer-Locke“ Bezug. Letztere wurde aus der Bibliothek der Bildenden entnommen und von Ausstellungsgestalter Roy Frederick Culbertson III in einen „Schneewittchensarg“ gepackt. Die Locke ist eine von mehreren Leihgaben aus dem Haus; sämtliche zeitgenössische Arbeiten stammen von Professoren, Studenten und Alumni der Bildenden.

Der Gedanke, dass Manierismus erstmals den Konkurrenzgedanken aufgebracht hat, weil Maniera einen eigenen Stil voraussetzt, wird im letzten Raum, der dem Fegefeuer folgenden „Eternal Night“, deutlich: Hier konkurriert Videoscreen mit Hologramm, werden leuchtende Bilder an die Wand geworfen, pulsiert Musik und steht ein opulent gestaltetes persisches Hochzeitsbett für lesbische Liebe. Ohne Schuhe zu betreten ist Moritz Gottschalks flauschige Kuschelinstallation aus „rosa Wolkendecken“ - bestehend aus u.a. Tüll, Daunen und Handtüchern. Rosa zieht sich dann auch sinnstiftend durch die Ausstellung, habe die Farbe doch einerseits einen „glitzrigen, tröstenden und lieblichen Anspruch“, so Gottschalk, eigne sich aber genauso gut zum Verkleiden und ist im Sinne von Trans politisch aufgeladen. „Deshalb Transmanierismus“, so Gottschalk, sprich: „Über Grenzen hinaus.“

(S E R V I C E - „Aufgerissenen Auges: Transmanieristische Reaktionen“, 20. November bis 10. Jänner, xhibit in der Akademie der bildenden Künste Wien, Hauptgebäude, Schillerplatz 3, 1010 Wien. Eröffnung morgen, Donnerstag, um 19 Uhr mit Performance-Parcours ab 19.30 Uhr. Di-So 10 bis 18 Uhr, Eintritt frei. www.akbild.ac.at)

(B I L D A V I S O - Bilder zur Ausstellung stehen auf www.akbild.ac.at zum Download zur Verfügung.)




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