Letztes Update am Mo, 30.11.2015 06:06

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Salzburg 2016 - Warum die Kirchtürme im Zillertal grün und rot sind



Salzburg/Schwaz (APA) - Warum gibt es im Tiroler Zillertal rote und grüne Kirchtürme? Das ist kein Zufall. Ein Blick in die Historie löst das Rätsel: Die Türme jener Kirchen, die noch heute der Erzdiözese Salzburg unterstellt sind, schimmern wegen der kupfernen Schindeln in edlem Grün. Die Turmdächer auf der ehemaligen „Brixner-Seite“, für die nun die Diözese Innsbruck zuständig ist, bestehen aus einfachen Ziegeln.

Das Kupfer symbolisierte Reichtum. Die Erzdiözese Salzburg konnte sich das kostenintensivere Metall zur Verzierung der Türme leisten. Das ärmere Bistum Brixen musste mit seinem Finanzhaushalt sparsamer umgehen und griff deshalb zu den erschwinglicheren Ziegeln. Die Farben der Kirchtürmer waren und sind bis heute ein Erkennungszeichen im Zillertal, welcher (Erz-)Diözese das jeweilige Gotteshaus angehört.

Die Bewohner des östlichen Zillertals schätzten es, der „reicheren“ Kirche in Salzburg anzugehören. Sie hatten offenbar nichts dagegen, dass die Diözesangrenze aus dem Jahr 739 n. Chr auch dann bestehen blieb, obwohl Kaiser Franz I. das Zillertal im Jahr 1816, als Salzburg zum Kaisertum Österreich kam, von Salzburg abtrennte und dem Land Tirol zusprach. Denn Brixen in Südtirol, das von 1814 bis 1919 durchgehend bei Österreich war, war vom Zillertal aus verkehrsmäßig relativ ungünstig zu erreichen.

Papst Pius VII. hatte 1818 die Entscheidung gefällt, dass der Zillerbach weiterhin die „kirchliche“ Grenzlinie ist. Noch heute gehören die Gemeinden östlich des Zillerbaches und damit Gerlos, Zell am Ziller, Hart, Brandberg, Stumm und Mayrhofen zur Erzdiözese Salzburg, zum Dekanat Zell am Ziller. Im westlichen Teil blieben die Gemeinden Fügen und Tux „brixnerisch“, sie sind mittlerweile der Diözese Innsbruck zugeteilt.

Der gesamte Tiroler Anteil der Erzdiözese Salzburg umfasst die Dekanate Brixen im Thale, Kufstein, St. Johann in Tirol, Reith im Alpbachtal und Zell am Ziller. „60 Pfarren des Bundeslandes Tirol und damit ein Drittel gehören jetzt zu Salzburg“, sagte der Diözesankonservator, Theologe und Historiker Roland Kerschbaum im APA-Gespräch.

Dass einige Gemeinden des Zillertals (Bezirk Schwaz in Tirol) aus kirchlicher Sicht immer noch „salzburgerisch“ sind, sei in den Köpfen der Leute seit mehr als Tausend Jahren verankert, erklärte Kerschbaum. „Das ist eine alte Tradition.“ Es habe zwar seitens der Tiroler Landesregierung Versuche einer kirchlichen Vereinigung gegeben, doch die Erzdiözese Salzburg habe diese Bestrebungen erfolgreich abgewehrt, weiß der Historiker. „Heute ist das kein Thema mehr.“ Innsbruck sei sogar froh, dass alles beim Alten geblieben ist - wegen der Baulasten und der schwierigen Nachbesetzung der Pfarren.

Der Bürgermeister von Mayrhofen im Zillertal, Günter Fankhauser (ÖVP), sieht im APA-Gespräch kein Problem, dass die örtliche Pfarre Salzburg zugeordnet ist. Es gebe auch keine Diskussionen darüber, daran etwas ändern zu wollen. Eine besondere Verbindung der Bevölkerung zu Salzburg merke man nicht, so der Bürgermeister. Eines fiel ihm dann doch noch auf: Gemeindebund-Präsident Helmut Mödlhammer, ein Salzburger, sei der erste Gemeindebund-Präsident aus Westösterreich, sagte er nicht ohne Stolz. „Früher waren das Niederösterreicher.“ Fankhauser schenkte seinem Salzburger Parteikollegen viel Lob: „Wir sind sehr zufrieden mit seiner Arbeit.“

Anknüpfungspunkte zwischen Tirolern im Zillertal und Salzburgern östlich des Gerlos-Passes (1.500 Meter Seehöhe) bestehen abseits der Straßen und Kirchen auf den Bergen, zumindest aus touristischer und alpinistischer Sicht: Das Skigebiet „Zillertal Arena“ mit 139 Pistenkilometern und 51 Liften verbindet Königsleiten und Hochkrimml (Salzburg, Oberpinzgau) mit Gerlos und Zell am Ziller (Tirol).

Zurück zur Kirche: Die Erzdiözese Salzburg ist jedenfalls froh um „ihre Gemeinden“ im Zillertal. Hatte man doch in der Vergangenheit schmerzhafte Verluste hinnehmen müssen. Kerschbaum: „Salzburg war ja eine riesen Diözese. Im Jahr 1772 hatten wir noch 1.000 Seelsorgestellen. Heute sind es mit Tirol 200, also ein Fünftel.“ Denn auch die bayerischen Pfarreien sind im Laufe der Geschichte den Salzburgern abhandengekommen.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Zillertal im Jahr 889 als „Cilarestale“. Der reiche Grundbesitz der Salzburger Erzbischöfe beruht auf zahlreichen Schenkungen. Die Christianisierung erfolgte im 8. Jahrhundert. Im Jahr 739 wurden auf Basis der römischen Provinzgrenzen die Bistumsgrenzen zwischen der Diözese Säben-Brixen und Salzburg so festgelegt, wie sie heute noch gültig sind.




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