Letztes Update am Di, 01.12.2015 10:29

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Lebensversicherer für mehr private und betriebliche Vorsorge



Wien (APA) - Für mehr Eigenvorsorge und somit einen höheren Stellenwert der betrieblichen und privaten kapitalgedeckten Altersvorsorgesysteme plädierte der Sprecher der Sparte Lebensversicherung im Versicherungsverband (VVO), Manfred Rapf, am Montagabend bei einer Veranstaltung an der WU Wien. Dazu brauche es auch Anreize wie die steuerbegünstigte Gehaltsumwandlung.

Die Menschen sollten begreifen, wie wichtig die persönliche Altersvorsorge ist, so Rapf. Um dieses Bewusstsein zu schaffen, sei aber noch nicht genug geschehen.

Die kapitalgedeckte Altersvorsorge sei in Österreich unterentwickelt und führe ein stiefmütterliches Schattendasein. Dies zeige sich etwa daran, dass die Kapitaleinkommen in Österreich nur 3,5 Prozent der Einkommen ausmachten. Damit sei Österreich Schlusslicht in Westeuropa. In Deutschland liege dieser Wert etwa bei 16 Prozent, im OECD-Schnitt bei 17,6 Prozent.

Auch die Durchdringung mit Lebensversicherungen liege in Österreich nur bei 2,05 Prozent, in Deutschland bei 3,23 Prozent und im OECD-Schnitt bei 4,68 Prozent. Während es in anderen Ländern Reformen gegeben habe, sei in Österreich nichts passiert, so Rapf.

Aufgrund der zu erwartenden demografischen Entwicklung stelle sich auch die Frage, wie finanzierbar das staatliche Umlageverfahren sei, und ob nicht eine ergänzende Vorsorge angeboten werden müsse. Dafür sei die kapitalgedeckte Altersvorsorge, verbunden mit einem persönlichen Risikomanagement, gut geeignet, meinte Rapf. Zudem werde man um eine Erhöhung des Pensionsantrittsalters nicht umhinkommen. Um das Thema zu entpolitisieren hätte hier „ein Automatismus schon seine Vorteile“, so Rapf.

Der Schlüssel für die langfristige Finanzierbarkeit des staatlichen Pensionssystems liege beim frühen Pensionsantritt und nicht bei der Erhöhung der Erwerbsquoten, meinte EcoAustria-Chef Ulrich Schuh. Die Erwerbsquote bei den älteren Arbeitnehmern sei deshalb so gering, weil sie jahrelang in die Frühpension gelockt oder sogar gedrängt wurden. Diese Fehlanreize müssten beseitigt werden. Generell mache er sich über die Einbindung von älteren Arbeitnehmern in den Arbeitsmarkt aber keine Sorgen. Diese seien besser integriert als die Jungen.

„In Österreich finden die Reformen immer in der Zukunft und bei den Jungen statt“, kritisierte der Ökonom. Es sollte aber nicht immer alles auf die Jungen geschoben werden. Als Beispiel nannte er die hohen Nationalbank-Pensionen, wo es dann hieß, die Jungen würden sie eh nicht mehr bekommen.

Die im Rahmen der Pensionsreform eingeführte Entgeltumwandlung ist nur von der Lohnsteuer und Sozialversicherung befreit, wenn sie im Kollektivvertrag als lohngestaltende Maßnahme vorgesehen ist, betonen die Wirtschaftsprüfer von Moore Stephens City Treuhand heute in einer Presseaussendung. Dies sei derzeit bei fünf Kollektivverträgen der Fall: Baugewerbe und Bauindustrie, automatische Datenverarbeitung und Informationstechnik, Versicherungsunternehmen, Speditionen sowie holzverarbeitende Industrie. Voraussetzung sei, dass der Arbeitgeber allen Arbeitnehmern oder bestimmten Gruppen diese Möglichkeit anbietet.




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