Letztes Update am So, 06.12.2015 07:03

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Vorarlberger Bürgermeisterstichwahl: Mobilisierung wird entscheiden



Hohenems/Bludenz (APA) - Der Wahlkampf in Bludenz und Hohenems, wo am 20. Dezember die Bürgermeister-Stichwahl aufgrund eines VfGH-Urteils wiederholt werden muss, ist trotz des von beiden Herausforderern ausgerufenen „Nichtwahlkampfs“ in vollem Gange. Denn in einem sind sich die beiden ÖVP-Stadtoberhäupter und ihre Gegenkandidaten einig: Gewinnen wird, wer seine Wähler besser mobilisieren kann.

Dabei sei die Adventzeit eine Herausforderung, sagte der Bludenzer Bürgermeister Mandi Katzenmayer gegenüber der APA, die Menschen seien so kurz vor Weihnachten mit anderen Dingen beschäftigt. Seinen Wahlkampf will er deshalb sehr dezent gestalten, „schließlich will ich den Leuten nicht auf die Nerven gehen“. Ähnlich formuliert es sein Parteikollege, der Hohenemser Bürgermeister Richard Amann: „Die Freude über Politikerbesuche in der Vorweihnachtszeit schätze ich als bescheiden ein.“ Katzenmayer wird ÖVP-Mitglieder mit einem gebackenen „Mandi“-Herz überraschen. Sein Hohenemser Amtskollege wird auf Hausbesuche „eher“ verzichten, will aber mit Postwurfsendungen punkten. Beide wollen bei öffentlichen Veranstaltungen, Adventfeiern und auf den Märkten präsent sein, um mit möglichst vielen Menschen in Kontakt zu kommen.

Überzeugen wollen sie die Wähler mit ihrer Arbeit der vergangenen Jahre. „Wir haben in den vergangenen fünf Jahren mit allen Fraktionen gut zusammengearbeitet“, sagte Amann zur APA. Hohenems stehe finanziell solide da, man habe wieder Geld, um zu investieren. Katzenmayer verwies auf konkrete Projekte in der Alpenstadt, vor allem in der Innenstadtgestaltung sei „viel weitergegangen“.

Still wird es trotz des ausgerufenen „Nichtwahlkampfs“ auch nicht um die beiden Gegenkandidaten, SPÖ-Herausforderer Mario Leiter in Bludenz und FPÖ-Landesparteichef Dieter Egger in Hohenems. Denn „Nichtwahlkampf“ bedeutet offensichtlich nur, dass die beiden auf Außenwerbung, also Plakate und Transparente, verzichten. Auch sie setzen auf persönliche Bürgerkontakte. Leiter wird mit seinen Unterstützern an den kommenden drei Samstagen in der Stadt unterwegs sein, auch Hausbesuche, Flyer und Inserate wird es geben, berichtete er auf APA-Nachfrage. Behilflich im Wahlkampf wird ihm sicher sein Bekanntheitsgrad als stv. Kommandant der Bludenzer Stadtpolizei sein. Erst vergangene Woche konnten ihn zahlreiche Schaulustige dabei beobachten, wie er gemeinsam mit einem Polizeikollegen einen 81-jährigen Mann aus einem brennenden Haus rettete.

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Egger will seinen Stimmenfang in Hohenems wegen der Adventzeit „bürgerfreundlich und schonend“ gestalten, ins Gespräch mit den Wählern komme er vor allem auf Veranstaltungen. Die Aufklärung der Wähler, warum die Stichwahl wiederholt werden muss, machen sowohl Egger als auch Leiter zum wichtigsten Thema im Wahlkampf. Die vom Verfassungsgerichtshof (VfGH) bestätigten rechtswidrigen Unregelmäßigkeiten bei den Wahlkarten seien „keine Formalfehler gewesen, sondern es sind massive Gesetzesbrüche passiert“, betonte Egger. Die beiden Wiederholungen sieht er auch als wichtiges Signal für kommende Wahlen. „Die ÖVP wird genau beobachten, ob sie damit durchkommt“, so Egger. Die Bevölkerung könne mit ihrer Stimme bei dieser Wahl schlussendlich ein klares Zeichen setzen.

Gute Chancen, die Wahl zu gewinnen, rechnet sich Egger dann aus, „wenn all jene in Hohenems wählen gehen, die unzufrieden sind und sich eine Veränderung wünschen“. Thematisch seien viele Bürger auf seiner Seite. „Bleiben die allerdings zuhause, werden sich die ÖVP-Stammwähler durchsetzen“, das müsse dem Wähler klar sein, so der FPÖ-Chef, der sich im Fall seiner Wahl zum Bürgermeister aus der Landespolitik zurückziehen will. Egger hatte sich im ersten Wahlgang der Bürgermeister-Direktwahl klar gegen Amann (45,34 Prozent zu 35,05 Prozent) durchgesetzt. In der Stichwahl unterlag er allerdings um 121 Stimmen dem Amtsinhaber. Vor der Auszählung der Wahlkarten war Egger noch vorangelegen.

Optimistischer gab sich der Bludenzer SPÖ-Kandidat. Er habe als Stadtrat vieles weitergebracht, „das weiß der Wähler“, etwa die Ansiedlung mehrerer Betriebe in der Innenstadt. Amtsinhaber Katzenmayer tut sich hingegen schwer, seine Aussichten einzuschätzen. Die Stimmung sei gut, er erhalte auf der Straße viel Zuspruch. Allerdings sei das auch vor den beiden vorangegangenen Wahlen so gewesen, die Ergebnisse hätten ihn dann eher verwundert. Bei der Bürgermeister-Direktwahl am 15. März kam SPÖ-Herausforderer Leiter Katzenmayer mit 40,12 gegen 42,21 Prozent bereits gefährlich nahe, bei der Stichwahl trennten die beiden sogar nur noch 27 Stimmen.




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