Letztes Update am So, 06.12.2015 07:33

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Dürre in Äthiopien - Der katastrophale „Nino“



Addis Abeba/Wien (APA) - Yilma Taye ist kein Mensch, der zu Übertreibungen neigt. „‘El Nino‘ führt zu einer Katastrophe“, konstatierte der Programmdirektor der Hilfsorganisation „Menschen für Menschen“ (MfM) in Äthiopien im Gespräch mit der APA. Das Wetterphänomen dürfte die Nahrungsmittelkrise in dem ostafrikanischen Land weiter verschärfen.

Nach einer durch eine monatelange Dürre in Teilen des ostafrikanischen Landes verursachten Notsituation drohen ungewöhnlich lang andauernde Regenfälle im Westen die dort erwarteten Ernteerträge zu dezimieren. Die Regierung hatte laut Taye geplant, einen Teil dieser Ernte zur Versorgung der Menschen in den Dürreregionen zu verwenden. Derzeit sind 8,2 der etwa 95 Millionen Äthiopier auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. „Ihre Zahl wird steigen“, sagte der MfM-Programmdirektor.

„Die Regionen im Osten sind trocken oder extrem trocken. Die Menschen sind das gewohnt und können damit umgehen. In der Mitte des Landes tritt fallweise Dürre auf, heuer in sehr starkem Ausmaß. Der Westen ist davon nicht betroffen. Das Problem dort ist, dass es nicht aufgehört hat zu regnen, sodass das Getreide nicht reif wird“, erläuterte Taye. Mehrere Regionen im Westen Äthiopiens sind die sprichwörtliche Kornkammer des Landes, in denen in großem Umfang Weizen angebaut wird.

„El Nino“ (spanisch: Bub, Christkind) tritt in unregelmäßigen mehrjährigen Abständen auf und hat seine Ursache in Veränderungen der Wassertemperatur im Pazifik vor der südamerikanischen Küste. Das führt zu eine Veränderung der Wasser- und Luftströmungen und wirbelt in weiterer Folge das Wetter fast weltweit durcheinander. In Äthiopien sind drei Regenzeiten in unmittelbarer Folge entfallen bzw. waren die Niederschlagsmengen weit geringer als üblich.

„Früher war es so, dass halt manchmal eine Regenzeit ausgefallen ist. Aber zuletzt hat es immer so unregelmäßig geregnet. Der Regen ist launenhaft“, sagte Meti Robi österreichischen Journalisten. Die alte Frau gehört zu den 28.000 Menschen in der von Dürre betroffenen Provinz Bale im Südosten Äthiopiens, die von MfM Österreich durch Nahrungsmittelhilfe unterstützt werden.

Meti Robi hat vier Kinder und wohnt gemeinsam mit zwei Enkelkindern, die ihr im Alltag zur Hand gehen, im Dorf Makala. Die Gemeinde liegt knapp 90 Kilometer oder drei Fahrstunden von der Provinzhauptstadt Robe entfernt hinter Bergen. Auf dem völlig ausgetrockneten Boden wächst gar nichts nicht mehr. Die Befürchtung der alten Frau: Dass ihre Kinder oder Enkel fortziehen, wenn das mit der Dürre nicht besser wird. „Ich möchte aber nicht, dass sie weggehen“, gestand die alte Frau ein.

Dürre bedeutet nicht allein Nahrungsmittelmangel und Hunger. Tadele Assafa, Volksschullehrer in der Dorfschule von Shanaka, kommt mit dem Unterricht nicht so voran wie er möchte. „Wenn die Kinder hungrig sind, sind sie müde und können sich nicht gut konzentrieren. Außerdem haben die Familien zu wenig Geld für Schulsachen. Früher hatten die Kinder für jedes Fach ein Heft. Jetzt haben sie ein einziges für vier Fächer“, sagte der junge Lehrer. „Und die Kinder fehlen viel öfter, weil sie hungrig oder krank sind.“

Atemwegserkrankungen, Durchfall und Masern als äußerst ansteckende Erkrankung nennt Asnake Worku, Arzt und Leiter der Programmkoordination von MfM, als häufigste gesundheitliche Problemen von unterernährten Kindern. „Mangelernährung schwächt das Immunsystem. Am meisten gefährdet sind Kinder sowie schwangere und stillende Frauen.“ Die Dürre geht Hand in Hand mit Wassermangel und damit Hygieneproblemen. „Zu beobachten ist auch, dass Krätze wieder gehäuft vorkommt, obwohl sie in den vergangenen Jahren bis auf Einzelfälle nicht mehr aufgetreten ist“, erklärte Asnake Worku.

(ER zu dem Thema wurden am 4. 12. 2015 verbreitet und sind im AOM abrufbar.)




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