Letztes Update am So, 06.12.2015 07:33

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Muttermilchforschung in Utrecht: „Das Maß aller Dinge“1



Utrecht/Paris (APA) - Seit 2013 wird im niederländischen Utrecht den Geheimnissen der Muttermilch nachgegangen. Dort forscht der Kindernahrungshersteller Milupa Nutricia, und die Ergebnisse sind oft erstaunlich. So hat eine Studie ergeben, dass über die Muttermilch auch Makrophagen („Fresszellen“) und andere Immunzellen abgegeben werden, wenn das Baby an einer Influenza erkrankt ist - auch wenn die Mutter gesund ist.

Auch wenn der Konzern primär die eigenen Produkte verbessern will, für Bernd Stahl, wissenschaftlicher Leiter, ist aufgrund solcher Tatsachen eines klar: Die „Muttermilch ist das Maß aller Dinge“ für das Kind. Moderne Techniken wie Chromatografie oder Massenspektrometrie dienen zur Erforschung der Zusammensetzung der menschlichen Milch. Stahl nannte Erkenntnisse über „Prebiotika, LCP und die Eiweißzusammensetzung“ als bisherige Meilensteine.

Die kontinuierliche Muttermilchforschung wird seit über 40 Jahren betrieben. Der wissenschaftliche Output ist inzwischen groß, mehr als 100 Studien wurden laut den Angaben des Unternehmens publiziert, rund 100 Universitäten beteiligen sich an präklinischen Studien des Milchforschungszentrums. „Die Entwicklungskosten und die Dauer der Produkteinführung sind inzwischen mit denen bei der Pharmazie vergleichbar“, beschrieb Stahl den gegenwärtigen Aufwand.

„Die Muttermilch ist noch immer nicht entschlüsselt und mit dem heutigen Wissenstand ist klar, dass man im Grunde weniger weiß als früher“, prophezeite Stahl noch viele Jahrzehnte an Forschung für die rund 200 Mitarbeiter in Utrecht.

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Einiges weiß man schon jetzt: Muttermilch durchläuft im Verlauf der Stillperiode einen permanenten Veränderungsprozess, selbst im Verlauf einer Mahlzeit bleibt sie in der Zusammensetzung nicht konstant. Auch ist sie global gesehen unterschiedlich zusammengesetzt, was von der genetischen Ausstattung abhängig ist: „Muttermilch ist variabel, aber die Benefits sind konsistent“, fasste der Wissenschafter diese Erkenntnisse zusammen.

Ebenso hat man herausgefunden, dass jede Mutter einen individuellen Fingerprint an Bakterien erzeugt - erklärbar seien diese Unterschiede aber noch nicht. Auch bei dem festgestellten unterschiedlichen Fettgehalt der Muttermilch, der bei Buben energiereicher ausfällt, ist die Ursache noch unklar. Der steigende Testosterongehalt im Falle eines Buben während der Schwangerschaft könnte da der Auslöser sein. Die Forschung nach den Prebiotika - es handelt sich um bestimmte Ballaststoffe, die das Wachstum von Darmbakterien fördern - führte dann auch zu einem neuen Produkt. Seit 2003 werden sie in Säuglingsmilch eingesetzt und sind patentiert.

Obwohl der zu Danone gehörende Konzern auch Produkte für stillende Mütter im Repertoire hat, bekennt man sich zur WHO-Empfehlung, dass ein Baby im ersten Lebenshalbjahr ausschließlich von der Mutter gestillt werden soll. Denn für Stahl führt kein Weg an der Muttermilch vorbei, solange Kind und Mutter gesund sind. „Die Mutter bietet dem Kind ein maßgeschneidertes Immunsystem an“, nannte der deutsche Wissenschafter einen der vielen Vorzüge.

~ ISIN FR0000120644 WEB http://www.danone.com/ ~ APA035 2015-12-06/07:31




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