Letztes Update am So, 06.12.2015 08:39

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Landesweite Regionalwahlen in Frankreich begonnen



Paris (APA/AFP) - Rund drei Wochen nach den Anschlägen von Paris haben in Frankreich die landesweiten Regionalwahlen begonnen. Die Wahlbüros öffneten Sonntag früh für die erste Wahlrunde, mit ersten Prognosen wurde nach 20.00 Uhr gerechnet.

Bei der Wahl könnte die rechtsextreme Front National (FN) von Marine Le Pen mit rund 30 Prozent der Stimmen stärkste Kraft werden. Umfragen sagen dem konservativ-bürgerlichen Lager von Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy rund 29 Prozent voraus, den Sozialisten von Präsident Francois Hollande 22 Prozent.

Gewählt wird in den - nach einer Gebietsreform - 13 künftigen französischen Regionen und in vier Überseegebieten. Wer in den Regionalparlamenten in Zukunft die Mehrheit hat und damit den Regionalpräsidenten stellt, wird erst in der zweiten Wahlrunde in einer Woche entschieden - es sei denn, eine Partei erzielt bereits im ersten Wahlgang eine absolute Mehrheit. Das gilt aber als unwahrscheinlich.

Die Front National, die nach den Anschlägen vom 13. November in Umfragen zulegte, könnte zwei oder sogar noch mehr Regionen erobern. Sie ist insbesondere in der nordfranzösischen Region Nord-Pas-de-Calais-Picardie Favoritin - dort tritt Parteichefin Le Pen als Spitzenkandidatin an. Gute Chancen hat die Partei auch in der südfranzösischen Region Provence-Alpes-Cote d‘Azur, wo Le Pens 25-jährige Nichte Marion Marechal-Le Pen die FN-Liste anführt. Auch in der Grenzregion Elsass-Lothringen-Champagne-Ardenne gilt ein FN-Sieg als möglich.

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Die Front National hat noch nie in ihrer Geschichte eine Region angeführt. 30 Prozent in der ersten Runde wären zudem das beste Ergebnis in der Geschichte der Partei bei einer landesweiten Wahl.

Eine erneute Wahlschlappe dürfte unterdessen Hollandes Sozialisten bevorstehen: Zwar stiegen die Zustimmungswerte für den Staatschef nach den Anschlägen vom 13. November in Umfragen kräftig an; auf den Ausgang der Wahlen vom Sonntag dürfte sich dies Beobachtern zufolge aber kaum auswirken. Bisher stellten die Sozialisten in fast allen Regionen den Regionalpräsidenten; sie dürften beim zweiten Wahlgang in einer Woche zahlreiche Regionen verlieren.

Die Wahlen finden unter dem Eindruck der islamistischen Anschläge vom 13. November mit 130 Toten statt. Es ist zudem die letzte große Wahl in Frankreich vor den Präsidentschaftswahlen im Frühjahr 2017 - sie hat deswegen große symbolische Bedeutung.




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