Letztes Update am So, 06.12.2015 11:39

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Vatileaks-2 - Neue Prozessrunde am Montag



Vatikanstadt (APA) - Der vor zwei Wochen begonnene Prozess gegen fünf Personen wegen unerlaubter Veröffentlichung vertraulicher Dokumente über finanzielle Missstände im Vatikan geht morgen, Montag, nach einer einwöchigen Pause in eine neue Runde. Das vatikanische Gericht wird den sich in Untersuchungshaft befindenden spanischen Prälaten Lucio Angel Vallejo Balda vernehmen.

Danach soll die ebenfalls angeklagte PR-Agentin Francesca Chaouqui auf Fragen des Gerichts antworten. Der Prozess war am vergangenen Montag um eine Woche vertagt worden, um der Verteidigung mehr Zeit zu geben, sich auf die Audienzen vorzubereiten. Bei den Gerichtsverhandlungen am Montag werden auch die mitangeklagten Journalisten Gianluigi Nuzzi und Emiliano Fittipaldi anwesend sein.

Vor Gericht muss sich auch, Nicola Maio, verantworten, der wie Chaouqui und Balda früherer Mitarbeiter der Cosea-Kommission ist. Die drei werden von der vatikanischen Justiz beschuldigt, eine „kriminelle Vereinigung“ mit dem Ziel der Veröffentlichung von Dokumenten gebildet zu haben, die „wesentliche Interessen des Heiligen Stuhls und des Staates betreffen“. Den Prozess führt Gerichtspräsident Giuseppe Dalla Torrre zusammen mit drei weiteren Richtern.

Nuzzi wirft dem Vatikan in seinem jüngsten Buch „Alles muss ans Licht“ vor, ein System von Korruption, Günstlingswirtschaft, Privilegien und Geldwäsche zu unterhalten. Gegen ihn und Fittipaldi leitete die vatikanische Justiz ein Verfahren wegen „möglicher Beihilfe zur Verbreitung vertraulicher Informationen und Dokumente“ ein. Den Angeklagten drohen bis zu acht Jahren Haft.

Der vatikanische Staatssekretär, Kardinal Pietro Parolin, versicherte, dass den Angeklagten Recht auf Verteidigung garantiert werde. Er reagiert somit auf Vorwürfe der angeklagten Journalisten. Diese hatten sich darüber beschwert, dass ihnen Pflichtverteidiger des Vatikans aufgezwungen worden seien, da ihre Anwälte nicht von der vatikanischen Justiz anerkannt seien.

Parolin betonte, angesichts des Vatileaks 2-Skandals sei der Wille zur Umsetzung von Reformen im Vatikan noch stärker geworden. Wichtig sei „Transparenz und Ehrlichkeit“ zu garantieren, sagte Parolin nach Angaben italienischer Medien.




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