Letztes Update am So, 06.12.2015 12:24

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Filmlegende Trintignant wird 85: Der mysteriöse Schweiger



Paris (APA/dpa) - Jean-Louis Trintignant gehört zu jenen Filmlegenden, über die die Öffentlichkeit nur wenig weiß. In seiner mehr als 50 Jahre dauernden Karriere kann er auf mehr als 100 Filme zurückblicken. Trotz seiner Leinwandpräsenz bleibt der Darsteller, der für seine Leistung in Michael Hanekes „Amour“ in Cannes die Goldene Palme gewann, ein schwer ergründbarer Charakter. Am Freitag wird er 85 Jahre alt.

Trintignant hat mit seinen Filmen zahlreiche Auszeichnungen gewonnen. In „Amour“ spielte er einen Rentner, der seine nach einem Schlaganfall ans Bett gebundene Frau vom Leiden erlöst. Haneke ist es zu verdanken, dass Trintignant nach mehrjähriger Abwesenheit wieder auf der Kinoleinwand zu sehen war. Ihm gelang es auch, den Schauspieler für „Das weiße Band - Eine deutsche Kindergeschichte“ aus dem Jahr 2009 als Erzähler zu gewinnen.

In der Auswahl der Regisseure war der Sohn einer wohlhabenden Industriefamilie aus der Provence schon immer sehr wählerisch. Für ihn gehört Haneke zu den größten Filmemachern der Welt. Er sei einer der besten. Für ihn würde er sogar noch einmal vor die Kamera treten, wie er in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur vor drei Jahren in Cannes sagte. „Ich habe ihm gesagt, dass ich bereit wäre, eine Nebenrolle in einem seiner nächsten Filme zu übernehmen.“

Doch selbst für Haneke bleibt der Schauspieler als Mensch rätselhaft. Als mysteriös und reserviert habe ihn Haneke bezeichnet, erzählte Trintignant einmal dem „Standard“. Auch Bernardo Bertolucci, mit dem er den erfolgreichen Spionagefilm „Der große Irrtum“ drehte, konnte seine Person nicht recht erfassen.

So sind es denn auch geheimnisvolle und nur schwer zu ergründende Menschen, die Trintignant in seinen Filmen verkörpert. In „Und immer lockt das Weib“ spielt er an der Seite von Brigitte Bardot einen schüchtern verkrampften Ehemann. Der Klassiker „Ein Mann und eine Frau“ handelt von einem alleinerziehenden Paar, das trotz komplizierter Vergangenheit zueinander findet.

Trintignant hat das Rampenlicht der Öffentlichkeit schon immer gemieden. Um dem Medienrummel um seine Beziehung mit Sexsymbol Bardot zu entfliehen, ging er Anfang der 1960er-Jahre sogar als Freiwilliger zur Armee. Über seine persönlichen Dramen schwieg er sich aus. Von seinen drei gemeinsamen Kindern mit Ex-Ehefrau Nadine verlor er eines durch plötzlichen Kindstod. Und seine Tochter Marie starb 2003 an den Folgen eines Streits mit ihrem Freund, dem Rockstar Bertrand Cantat. „Diese Prüfung muss uns stärker machen“, sagte er der Presse.

Heute lebt Trintignant, der seine Schauspielleidenschaft auch im Theater erfolgreich zum Ausdruck gebracht hat, zurückgezogen in der Nähe der südfranzösischen Stadt Avignon. In der Nähe des malerischen Dorfes Uzès kümmert er sich um seine Weinberge und Olivenbäume. Hin und wieder sei er sogar noch auf seinem Mofa zu sehen, wie die Sonntagszeitung „Le Journal du Dimanche“ vor wenigen Monaten berichtete.




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