Letztes Update am So, 06.12.2015 20:18

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ski alpin: „Wild West“ zum Abschluss in Beaver Creek



Beaver Creek (Colorado) (APA) - Zum Abschluss der Herren-Weltcuprennen hat es in Beaver Creek noch einmal richtig „Wild West“ gespielt. Im ersten Riesentorlauf-Durchgang fiel neben Thomas Fanara (FRA) auch US-Topfavorit Ted Ligety aus. Der Franzose Alexis Pinturault stürzte so heftig auf den Kopf, dass er ins Spital musste. Weltcup-Leader Aksel Lund Svindal trat wegen seiner Magenverstimmung zum letzten Rennen nicht mehr an.

Der auch an Fieber leidende Norweger hatte sich zwar in der Früh noch eingefahren, verzichtete dann aber kurzfristig auf einen Start im schwierig gesetzten Riesenslalom, in dem Super-G-Überraschungssieger Marcel Hirscher für Halbzeit-Bestzeit sorgte. Auch Val d‘Isere wird Svindal, der in Nordamerika die ersten drei Speedrennen der Saison gewonnen hat und als Weltcup-Führender nach Europa zurückkehrt, auf jeden Fall auslassen.

„Ich habe ein brutales Virus erwischt und mich in der Nacht vor dem Super-G mehrmals übergeben“, berichtete Svindal. „Jetzt ist es besser, hundert Prozent zu sein, wenn die Abfahrtssaison in Europa weiter geht.“

Auch Ligety litt im „Riesen“ unter einem heftigen Magenvirus. „Mir geht es echt schlecht“, gestand der sechsfache Beaver-Creek-Gewinner im Ziel. „Mir ist es aber schon mal noch schlechter gegangen und ich habe trotzdem gewonnen“, wiegelte der Weltmeister gleichzeitig ab. Im Ziel humpelte Ligety leicht, weil er sich bei seinem Ausrutscher das rechte Bein an der Torstange angeschlagen hatte.

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Dass sich die eisige Raubvogel-Piste ab dem Golden Eagle deutlich griffiger und damit aggressiver präsentierte, wurde auch Pinturault zum Verhängnis. Der französische Head-Fahrer, der schon den ganzen Herbst an einer optimalen Abstimmung herumbastelt, wankte nach seinem heftigen Sturz wie ein angeschlagener Boxer durch den Zielraum. Der Aufschlag Pinturaults war so heftig gewesen, dass der Kinnriemen an seinem Helm gerissen war.

Zusammenpacken konnte schon nach Lauf eins auch Hannes Reichelt. Der Salzburger hatte mit Platz vier in der Beaver-Abfahrt gut begonnen, nach der Wetterlotterie und Platz 16 beim Sensationssieg von Marcel Hirscher im Super-G aber auch heftige Kritik geübt. Vor allem jene an der engen Kurssetzung von ÖSV-Trainer Florian Winkler nahm der Weltmeister am Sonntag wieder zurück.

„Am Samstag habe ich mich echt geärgert. Die Konsequenz muss sein, dass die Startnummernregelung geändert gehört“, forderte Reichelt nachdem ausgerechnet die Topgruppe im heftigen aber absehbaren Schneefall gefahren war. Oder man drehe den Spieß um, so Reichelt. „Warum müssen wir im Speed so weit hinten und auf schlechterer Piste fahren und die besten Riesentorläufer nicht?“

Dass der Super-G zudem so langsam gewesen war, habe sicher auch am Schneefall gelegen, gab sich Reichelt am Sonntag etwas sanfter. Zwar habe man mit Winkler ausgemacht, wie bei der WM zu setzen, das sei dann aber doch etwas anders gekommen. „Ich glaube aber, dass ihm das auch ein bissl passiert ist. Die Strecke ist durch den Neuschnee noch langsamer geworden. Bei einer Piste wie am Sonntag hätte es auch im Super-G gepfiffen“, sagte Reichelt.

So lief aber bekanntlich alles für den mit früher Nummer vier gestarteten Hirscher. Reichelt gab sich vor dem Heimflug etwas versöhnlicher. „Ich habe ihm (Winkler, Anm.) gegenüber meine Kritik zurückgezogen. Ohne meinen Bock oben wäre mir der Kurs unten gar nicht so schlecht enteggen gekommen. Nüchtern betrachtet hätte ich also trotzdem mitfahren können.“

Super-G-Weltmeister Reichelt wird heuer keinen Riesentorlauf mehr bestreiten. „Vielleicht versuche ich es 2016 in Adelboden wieder“, sagte er.




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