Letztes Update am Mo, 07.12.2015 08:18

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ein Nomade mit schrägem Leben: Sänger-Songschreiber Brett Newski



Wien (APA) - Seine Band zerbrach ebenso wie eine Beziehung: Also suchte der amerikanische Indie-Rocker, Sänger-Songschreiber und Nomade Brett Newski einen Ortswechsel. Er zog kurzerhand nach Vietnam. „Das war, als würde ich plötzlich am Mars leben“, erzählte der 28-Jährige im APA-Interview. Aber in dem fernöstlichen Land nahm er sein Album „American Folk Armageddon“ auf - und das ist ihm wirklich gelungen.

„Mein Leben ist in den vergangenen Jahren recht schräg gewesen“, betonte Newski. Zunächst der Umzug nach Saigon, dann ging es auf permanente Tournee: „Mein Manager und ich leben derzeit aus dem Koffer. Ich spiele mehr als 220 Shows im Jahr überall auf der Welt. Aber wir lieben das!“ Genauso kann man den Schrägheitsanteil in Newskis Musik lieben: Die Songs zwischen Singer-Songwriter, Folk und Indie-Rock bieten genug Eigenartigkeit, um aufzufallen und Klischees aufzubrechen.

Der in Eau Claire in Wisconsin geborene Newski wuchs in der Metropole Milwaukee auf und musiziert seit seinem 13. Lebensjahr. Bands mit einem textlichen Anspruch waren ihm immer wichtig, meinte er. „Und ich mag Sänger, denen man nachsagt, sie könnten nicht singen. The Violent Femmes und Ezra Furman sind da großartige Beispiele. Sie würden keinen Tag in einer Castingshow wie ‚American Idol‘ überleben, aber ihre Stimmen haben Kraft, auch wenn sie ästhetischen Kriterien widersprechen.“

Über seine stilistischen Einflüsse meinte Newski: „Minimalismus turnt mich an. Gitarren, Bass, Drums und eine Stimme - und sich nicht in zu vielen Schichten zu verlieren. Studio-Politur hat schon zu viele gute Platten ruiniert.“ Sein „American Folk Armageddon“ wird diesem Anspruch gerecht, viel holt Newski aus einfach instrumentierten Songs heraus. „Die Lieder sollen leicht zugänglich, aber nicht berechenbar sein“, sagte er.

Entstanden ist die LP in Saigon. „Die Lebenskosten dort sind gering. Während ich meinen Unterhalt verdient habe, hatte ich noch genug Zeit, um Lieder zu schreiben. Ich schrieb so gut wie täglich. Auch wenn das bizarre Chaos in einer großen asiatischen Stadt alles andere als Zen ist, ist es aber eine große Inspiration“, lachte Newski.

Dass Newski nicht alles - auch nicht sich selbst - bierernst nimmt, verdeutlichen Albumtitel, das Artwork und einige Songtexte. „Ich denke, jede Band sollte sich zwischendurch hinsetzen und darüber lachen, wie dumm das Musikbusiness sein kann.“ Und doch findet man auf „American Folk Armageddon“ auch reichlich zum Nachdenken - etwa das Lied „We Are All Fucked“, mit dem Newski Zeit für die Umwelt einfordert. „Die Technologie entwickelt sich schneller, als unsere Gehirne dazu geschaffen sind“, erläuterte der Musiker. „Das Internet ist eigentlich eine tolle Sache, aber seine Hyper-Stimulation ist ungesund. Es ist gesund, das Telefon wegzulegen und im realen Raum zu leben.“

(S E R V I C E - http://brettnewski.com)




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