Letztes Update am Mo, 07.12.2015 11:09

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Fußball: China will auch im beliebtesten Sport Großmacht werden



Peking (APA/dpa) - China ist der größte Fußballmarkt der Zukunft, hat aber derzeit bestenfalls durchschnittliche Kicker. Das soll sich ändern, fordert Staats- und Parteichef Xi Jinping, selbst ein großer Fußballfan. Er hat drei Träume: „Sich wieder für eine Weltmeisterschaft zu qualifizieren, eine Weltmeisterschaft auszutragen und den Weltmeistertitel zu holen.“

Im Gegenzug für ihre Hilfe beim Aufstieg Chinas in den Fußball-Himmel bieten milliardenschwere chinesische Kapitalgeber nun ausländischen Vereinen lukrativen Zugang zum wachsenden heimischen Markt und mischen gleichzeitig immer stärker im Sportgeschäft mit. Nicht zufällig besuchte Xi Jinping im Oktober bei einem Staatsbesuch in Großbritannien den britischen Topclub Manchester City.

In der Vorwoche stieg eine Investorengruppe mit China Media Capital (CMC) an der Spitze und dem Staatsfonds CITIC Capital im Schlepptau mit 400 Millionen US-Dollar (366,91 Mio. Euro) bei der City Football Group (CFG) ein - und übernahm gut 13 Prozent der Anteile. Der CFG gehören nicht nur Manchester City, sondern auch die Clubs New York City FC und Melbourne City sowie zu Teilen der japanische Verein Yokohama F. Marinos.

Im Gegenzug hofft die CFG um Scheich Mansour bin Zayed aus Abu Dhabi auf das große Geschäft in China. „CFG will in den chinesischen Markt, was Teil ihres globalen Investmentplans ist“, erklärte der Sportexperte Yan Qiang, einst Vizechefredakteur von Chinas größter Sportzeitung „Titan Zhoubao“. „Gleichzeitig bietet das Geschäft neue Entwicklungsmöglichkeiten für den chinesischen Fußball. Es ist ein Austausch von Ressourcen.“

Schon lange habe die CFG versucht, auf Chinas Wachstumsmarkt vorzudringen. So sei mit dem Pekinger Club Beijing Guoan und mit Shanghai Shenhua verhandelt worden. „Es lief aber nicht gut“, so Yan. Mit CMC konnte jetzt aber ein Partner gefunden werden, der nicht nur volle Kassen, sondern auch beste Beziehungen in Chinas Sportindustrie, Medien und hohe politische Kreise besitzt. „Jetzt, wo CFG als Kooperationspartner mit einem zuverlässigen Partner kommt, wird alles leichter“, glaubt Yan.

Das geschäftliche Potenzial ist enorm. „Gemessen am Volumen, Ausmaß und Wachstumspotenzial ist China der größte Fußballmarkt der Welt“, betonte der Experte. Chinas Sportindustrie insgesamt wird heute auf umgerechnet 22 Milliarden US-Dollar (20,18 Mrd. Euro) geschätzt und soll nach den Plänen der Regierung in nur zehn Jahren auf mehr als 700 Milliarden Euro anwachsen - damit wäre China der größte Sportmarkt weltweit. Der Fußballmarkt allein soll nach Schätzungen 40 Prozent davon ausmachen.

„Fußball ist der beliebteste Sport in der Welt und in China“, weiß der CFG-Vorsitzende Khaldoon al-Mubarak. „Wir haben lange hart gearbeitet, damit wir die richtigen Partner und die richtige Geschäftsstruktur finden, um das unglaubliche Potenzial auszuschöpfen, das in China existiert - für CFG und den Fußball insgesamt.“ Mit der Partnerschaft sei eine „konkurrenzlose Plattform“ geschaffen worden, um zu expandieren.

„Der Fußball in China steckt in einer faszinierenden und entscheidenden Entwicklungsphase“, erklärte auch der CMC-Vorsitzende Li Ruigang. Er hat sich einst als Chef der Shanghai Media Group (SMG) einen Namen gemacht hat und tätigt heute bei CMC auch strategische Investitionen in der Unterhaltungsindustrie mit großen US-Filmstudios wie Warner Brothers oder DreamWorks.

Li Ruigang, der künftig im CFG-Vorstand sitzen wird, spricht von „einmaligen Wachstumschancen“ für den Fußball in China. Kein Wunder, dass er 2014 acht Milliarden Yuan (1,15 Milliarden Euro) für die Fernsehrechte an der chinesischen Liga über fünf Jahre bezahlt hat. Fußball ist der meist gesehene Sport in China.

Neben CMC mischen immer mehr chinesische Investoren in der globalen Sportwelt mit. Im August kaufte der Immobilienentwickler Dalian Wanda für 650 Millionen US-Dollar (596,22 Mio. Euro) die Marke „Ironman“ und die World Triathlon Corporation. Im Jänner stieg der Konzern, dem auch die Kinokette C in den USA gehört, für 45 Millionen Euro mit 20 Prozent beim spanischen Fußballclub Atletico Madrid ein. Nur einen Monat später kaufte Dalian Wanda für gut eine Milliarde Euro den Sportvermarkter Infront in Zug in der Schweiz.

Geld ist in China reichlich vorhanden. Im November übernahm die chinesische Unterhaltungsfirma Rastar 56 Prozent am spanischen Club Espanyol Barcelona, die 14 bis 17 Millionen Euro gekostet haben dürften. Im vergangenen Jahr kaufte der Chef der weltweit größten Internet-Handelsplattform Alibaba, Jack Ma, die Hälfte des chinesischen Spitzenvereins und Asienmeisters Guangzhou Evergrande für angeblich umgerechnet 170 Millionen Euro.

Die Investitionen sollen nicht nur Gewinne und Erfahrungen bringen, sondern auch chinesischen Kickern auf die Sprünge helfen. CMC-Chef Li Ruigang schwärmt vom Fußball-Know-How, von der Spieler-Entwicklung und den akademischen Programmen der CFG und ihrer erfolgreichen Clubs. Immer mehr ausländische Spieler und Trainer kommen ins Reich der Mitte. Aber der chinesische Fußball hat noch einen langen Weg bis zur Weltspitze vor sich. In der FIFA-Weltrangliste liegt China aktuell nur auf Platz 84 - hinter Libyen, Antigua und Barbuda oder Venezuela.




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