Letztes Update am Mo, 07.12.2015 11:39

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


100. Geburtstag des schauspielenden Lebemanns Curd Jürgens



Wien (APA) - 1982 war eines der dunkelsten Jahre der Kinogeschichte: Sowohl Romy Schneider als auch Rainer Werner Fassbinder, Grace Kelly und Ingrid Bergman starben. Und am 18. Juni kam aus Wien eine Todesnachricht: Curd Jürgens war im Alter von 66 Jahren einem Herzanfall erlegen. Am 13. Dezember jährt sich der Geburtstag des Schauspielers, der 1915 in München auf die Welt kam, zum 100. Mal.

Der verhältnismäßig frühe Tod des Künstlers kam damals jedenfalls überraschend, hatte der 1,93 Meter große Hüne mit dem Spitznamen „Normannischer Kleiderschrank“ doch keinen schwachen Eindruck vermittelt, sondern war als Lebemann und Luxusliebhaber in den Gazetten und auf der Leinwand beliebt. Die finanziellen Mittel für ein Jetset-Leben besaß der Sohn eines Hamburgers und einer Südfranzösin jedenfalls. Schließlich hatte er weltweit für mehr als 150 Filme vor der Kamera gestanden.

Dabei hätte Jürgens‘ Karriere durchaus auch zum Journalismus führen können. Zumindest nahm er, der im Berliner Westend aufwuchs, direkt nach der Matura einen Job beim „8-Uhr-Abendblatt“ an. Der Film ließ den Schauspielschüler und schon früh in Theatergruppen Engagierten jedoch nicht lange unbehelligt, und so feierte Jürgens 1935 sein Leinwanddebüt mit „Kaiserwalzer“ als junger Franz Joseph.

Die wirklich attraktiven Rollen erhielt der hochgewachsene Mime jedoch erst nach dem Krieg. Ein künstlerischer Höhepunkt der Kinolaufbahn des Mannes mit markant-rauchiger Stimme war 1955 seine Verkörperung des Hitler-Gegners General Harras in Helmut Käutners berühmter Zuckmayer-Verfilmung „Des Teufels General“. Nach dieser Vorstellung war Jürgens auch international ein gefragter Star.

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Es folgten Literaturverfilmungen wie „Der Schinderhannes“, „Die Schachnovelle“ oder „Les heros sont fatigues“ („Die Helden sind müde“). Für letztere erhielt er 1955 bei den Filmfestspielen in Venedig den Preis als bester Schauspieler. Außerdem bleibt Jürgens Kinofans mit seiner Interpretation des Karl Stromberg 1977 in „Der Spion, der mich liebte“ als einer der besten Bond-Bösewichte aller Zeiten in Erinnerung.

Daneben nahm das charmante Raubein auch unzählige Filmrollen an, die heute zu Recht vergessen sind, jedoch seinen Lebensstil als Bonvivant finanzieren halfen. Dabei war sich der Filmstar auch nicht fürs Fernsehen zu fein und spielte etwa 1978 mit „Rot - rot - rot“ in der meistgesehenen „Tatort“-Folge bis heute.

Im Theaterbereich war Wien die klare Heimat der legendären Whiskeystimme, die 1946 auch die österreichische Staatsbürgerschaft angenommen hatte. Als Deutscher hätte er für eine Burgtheater-Tournee in die Schweiz von der Sowjetbesatzung keine Reisegenehmigung erhalten. So war Jürgens von 1940 bis 1953 und später in den 1960er-Jahren am Burgtheater engagiert. Zwischen 1973 und 1977 beeindruckte er als einer der besten „Jedermann“-Darsteller bei den Salzburger Festspielen.

Die bevorzugte Bühne seines Lebens war aber vermutlich der Auftritt vor der holden Weiblichkeit. Dazu gehörten zahlreiche Affären. Auch mit Romy Schneider verband den Lebemann mehr als nur das gemeinsame Todesjahr - nämlich eine Liebesaffäre im Sommer 1957. Daneben brachte es Jürgens auf fünf Ehen: Er war mit den Schauspielerinnen Lulu Basler, Judith Holzmeister und Eva Bartok verheiratet sowie mit dem Model Simone Bicheron und zuletzt mit Margie Schmitz. Nachkommen hinterließ der Schauspieler allerdings keine, hatte er als Jugendlicher bei einem Unfall doch die Zeugungsfähigkeit eingebüßt. Seine letzte Ruhe fand Curd Jürgens in Wien. In einem Ehrengrab am Zentralfriedhof erinnern heute zwei goldene Masken auf schwarzem Stein an den großen Schauspieler.

Der ORF erinnert aus gegebenem Anlass an Curd Jürgens. Den Auftakt zum Programmschwerpunkt macht am 12. Dezember ORF 2 mit „Gustav Adolfs Page“ (13.25 Uhr). Am 18. Dezember folgt ORF III mit der „Schachnovelle“ (20.15 Uhr) sowie „Alles für Papa“ (22.00 Uhr). Nach den Spielfilmen steht am 19. Dezember auf ORF III die Dokumentation „Curd Jürgens – der Koloss auf tönernen Füßen“ (20.15 Uhr) am Programm, der um 21.05 Uhr Jürgens‘ Regie- und Darstellerprojekt „Bankraub in der Rue Latour“ folgt und um 22.45 Uhr „Teufel in Seide“. Den Abschluss macht am Sonntag, 20. Dezember, um 20.15 Uhr auf ORF III die Verfilmung von Kurt Weills/Bert Brechts „Dreigroschenoper“.

~ WEB http://orf.at ~ APA179 2015-12-07/11:37




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