Letztes Update am Mo, 07.12.2015 11:57

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Schwimmen: Rogans erster Weltrekord jährt sich zum zehnten Mal



Los Angeles (APA) - Ein für Österreich sport-historischer Moment jährt sich am Dienstag zum zehnten Mal. Markus Rogan verteidigte am 8. Dezember 2005 bei den Kurzbahn-Europameisterschaften in Triest seinen Titel über 200 m Rücken erfolgreich und das mit dem ersten Schwimm-Weltrekord eines Österreichers seit 93 Jahren. Dem Wiener gelang danach am 13. April 2008 bei der Manchester-WM ein weiterer Weltrekord.

Rogan hatte vor zehn Jahren den Weltrekord als sein Ziel für die damalige Kurzbahn-Saison ausgegeben, nachdem er schon im Jänner davor beim Berlin-Weltcup recht knapp daran gescheitert war. Nach nicht optimal verlaufenem EM-Vorlauf kamen aber Zweifel, im Endlauf hielt dann der Russe Arkadij Wjatschanin mehr als nur mit. Genau das aber trieb den OSV-Star zum großen Coup, nach einer bärenstarken dritten Länge blieb er 9/100 unter der damaligen Bestzeit.

„Das war eine meiner größten Leistungen“, verriet Rogan der APA - Austria Presse Agentur rückblickend in einem Telefonat aus seinem jetzigen Wohnsitz Los Angeles. „Es war ein Kraftakt, ich habe dieses Ziel mit einer bestimmten Sturheit erreicht.“ Mit einer ganz anderen Herangehensweise sei es ihm 28 Monate danach in Manchester geglückt, als er US-Ass Ryan Lochte im direkten Duell den Weltrekord abknöpfte und Österreichs bisher einziges WM-Gold holte.

„Das war dann mit einer gewissen Leichtigkeit“, erklärte der heute 33-Jährige. Nach lediglich Rang vier über 100 m Rücken hatte Rogan sogar mit einem Startverzicht über die 200-m-Strecke spekuliert, ist dann aber doch angetreten - ohne große Erwartungen. „Ich war dann in dem Rennen viel mehr im Moment drinnen, habe mich gehen lassen. Es ist interessant, mit welch unterschiedlichen Herangehensweisen man zu dem gleichen Ziel kommt.“

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Diese eigenen Erfahrungen flossen zuletzt in Rogans Arbeit als Sportpsychologe ein. Das resultatsorientierte Denken hat er im Zuge dessen ad acta gelegt, sein Credo ist die Konzentration auf den Moment. „Du bekommst bessere Resultate, wenn du dich im Prozess verlierst.“ Unter seinen Klienten sind brasilianische Sportler, Rogan ist beim nationalen olympischen Komitee angestellt. Mit seiner Hilfe sollen die Aktiven in Rio dem Olympia-Druck besser standhalten.

Der zweifache Silbermedaillengewinner der Spiele 2004 in Athen möchte den Lokalmatadoren gerne zu jenem Gefühl verhelfen, das er nach seinem Premieren-Weltrekord selbst empfunden hat. „Es war ein Gefühl der Erleichterung, es geschafft zu haben. Ich weiß noch, dass ich nicht mehr mit dem Ausschwimmen aufhören wollte.“ Er hatte es allen gezeigt, den Weltrekord angekündigt und auch fixiert.

Rogan erinnert sich, dass ihm danach Ex-Fußball-Teamspieler Paul Scharner in einer E-Mail gefragt hatte, woher er nur den Mut zur Weltrekord-Ankündigung genommen hatte. „Es ist damals der Höhepunkt meines Aneckens gewesen“, lieferte Rogan die Antwort. Das danach für die Shanghai-WM im April 2006 angestrebte WM-Gold verfehlte er mit dreimal Silber aber. Der damalige Mangel an Trainingspartnern seiner Güte sei ein möglicher Grund dafür gewesen.

Im Rückblick auf seine Karriere bedauerte es Rogan, nicht doch schon nach Olympia 2008 aufgehört zu haben, als er weder das angestrebte Gold noch eine Medaille errang. Vier Jahre später bei den Spielen in London beendete die Disqualifikation im Semifinale über 200 m Lagen seine Karriere unwürdig. „Es tut mir schon weh, dass ich mein letztes Rennen nicht mehr schwimmen konnte.“ Rogan wäre ohne Disqualifikation in das Olympia-Finale 2012 aufgerückt.

Am vergangenen Freitag verlor Rogan seinen am 10. Dezember 2009 bei der Istanbul-EM errungenen Europarekord über 200 m Lagen an den Ungarn Laszlo Cseh. Damit steht er nicht mehr in den internationalen Rekordlisten. Für Rogan ist das ein Ergebnis der natürlichen Leistungsprogression. „Wenn man in 20 Jahren vielleicht 1:40 schwimmt“, hatte er am Tag nach seinem Weltrekord in Triest gesagt, „werden meine 1:50 von Triest keine Bedeutung mehr haben.“

1:50,43 Minuten hatte seine Marke damals gelautet, seine Weltrekordzeit in Manchester stand mit 1:47,84. Erst am 27. November 2015 setzte der Australier Mitchell Larkin mit 1:45,63 die nun gültige Topmarke. Zehn Jahre danach ist Rogans Triest-Zeit also schon um 4,80 Sekunden verbessert. Rogan beschäftigt allerdings aktuell etwas ganz Anderes: „Ich befürchte, dass meine österreichischen Rekorde viel zu lange bestehen bleiben.“

Seit vergangenem Sommer steht Rogan den OSV-Aktiven offiziell mit Rat und Tat zur Verfügung. Berater für den OSV sei er hingegen nicht, wie er gegenüber der APA betonte. Nicht näher darauf eingehen wollte Rogan auf eine kolportierte sportpsychologische Betreuung beim Formel-1-Team Mercedes. Medienberichten zufolge hat er auch nur den Kontakt zum von Österreichern geführten Team hergestellt, er selbst ist demnach nicht direkt darin involviert.




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