Letztes Update am Mo, 07.12.2015 12:36

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Islamische Kindergärten - Religion wird in Wien nicht erhoben



Wien (APA) - Infolge von Zwischenergebnissen einer Studie zu islamischen Kindergärten in Wien ist die Stadt mit Vorwürfen - u.a. Unentschlossenheit und mangelnde Kontrolle - konfrontiert. Prinzipiell wird in der Bundeshauptstadt die religiöse Ausrichtung einer Kinderbetreuungseinrichtung nicht erhoben. „Das kommt im Wiener Kindergartengesetz nicht vor“, sagte Herta Staffa, Sprecherin der zuständigen MA 11.

Dabei handelt es sich um eine Landesregelung. Das Thema religiöse Erziehung sei seit 2003 - anders als etwa in Niederösterreich - nicht mehr Bestandteil des Gesetzestextes. Insofern habe die Stadt auch keine Zahlen, wie viele christliche, jüdische oder islamische Kindergärten bzw. -gruppen es gebe. „Religion ist ja an sich nicht verboten. Was wir nicht wollen, ist irgendeine Form des Unterrichts“, so Staffa.

Was zählt, sei in erster Linie das pädagogische Konzept. Und hier gehe es natürlich schon auch um eventuelle problematische Inhalte religiöser Natur. „Wir können aber nicht alles sehen und wissen nicht, was passiert, wenn wir zur Tür hinausgehen“, betonte die MA 11-Sprecherin. Deshalb sei man auf Hinweise von außen angewiesen. Wobei man in Bezug auf islamische Einrichtungen bisher - und auch infolge der jüngsten Berichterstattung - keinerlei Beschwerden erhalten habe: „Das hat wahrscheinlich auch damit zu tun, dass jene Eltern ihre Kinder in diese Kindergärten geben, die das befürworten.“

Im Büro der Wiener Stadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) betonte man auf APA-Anfrage erneut, dass man bisher die Resultate der Untersuchung des Instituts für islamische Studien der Uni Wien unter der Leitung von Ednan Aslan nicht vorliegen habe. Grundsätzlich wird betont: „Wir schauen nicht weg, sondern werden jedem konkreten Vorwurf nachgehen. Dabei werden wir überprüfen, ob die jetzigen Kontrollmöglichkeiten ausreichen.“

Prinzipiell verzeichnete die MA 11 seit Jahresbeginn und bis Ende September insgesamt 1.933 Kontrollbesuche - ohne Neubewilligungsbegehungen. Sieben Behördenmitarbeiter übernehmen diese Aufgabe, wobei eine Person ausschließlich bezüglich Einhaltung des Bildungsplans im letzten verpflichtenden Kindergartenjahr befasst ist. Kindergärten und Gruppen, egal ob städtisch oder privat, werden mindestens einmal pro Jahr unter die Lupe genommen. Das geht vom pädagogischen Konzept über die Sicherheitsauflagen - etwa versperrbare Fenster - bis hin zum Angebot an Spielsachen und zur Kontrolle, ob wirklich jenes Personal dort arbeitet, das angegeben ist. „Eine Überprüfung dauert mehrere Stunden. Wir gehen mit einem sehr kritischen Auge durch die Kindergärten“, versicherte Staffa.

Zusätzlich geht man „Auffälligkeiten oder Beschwerden“ sofort nach. „Wenn Mängel im baulichen, sicherheitstechnischen oder pädagogischen Bereich klar werden, schauen wir uns an, was und wie man das beheben muss“, erklärte die Sprecherin. Danach kommt es zu einer Nachprüfung, ob die Schritte auch umgesetzt wurden.

Will man eine Betreuungseinrichtung neu eröffnen, ist die Erfüllung einer Reihe von Auflagen notwendig. „Für eine Bewilligung maßgebend sind insbesondere das pädagogische/organisatorische Konzept, die erforderlichen Fachkräfte, die Berücksichtigung der Höchstzahl von Kindern in den einzelnen Gruppenformen, die Lage, die Größe, die Anzahl und die Ausstattung der Räume, die Anzahl und Art der sanitären Anlagen für die unterschiedlichen Gruppen“, heißt es dazu auf der Info-Website der MA 11. Bis zum Bescheid dauert es bis zu sechs Monaten.




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