Letztes Update am Mo, 07.12.2015 14:15

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Am Kaffeemarkt bewirkt Dollarstärke einen Preisverfall



London/Bern (APA/sda) - Am Weltmarkt für Kaffee macht sich ein Phänomen breit, das die tatsächliche Lage von Angebot und Nachfrage verzerrt. 2015 sausten die Preise in London wie bei kaum einem anderen Rohstoff in die Tiefe. Dabei drohen in zwei der drei größten Produzentenländer Ernteausfälle.

Die Bohnenpreise für die Sorte Arabica sind vor dem Hintergrund einer Rekordausfuhr Brasiliens in diesem Jahr um 30 Prozent gefallen. Das ist ein stärkerer Preissturz, als bei allen übrigen Rohstoffen, inklusive Kupfer, Rohöl und Gold.

Der Preisrückgang lässt sich allerdings nicht allein mit dem zurzeit großen Angebot am Weltmarkt erklären. Er steht auch mit den Kursschwankungen des brasilianischen Real gegenüber dem US-Dollar am Devisenmarkt in Zusammenhang.

Unter den Währungen der Schwellenländer ist der Real in den letzten Wochen wegen der Korruptionsuntersuchungen und dem Amtsenthebungsverfahren gegen Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff besonders unter Preisdruck geraten.

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In lokaler Währung gemessen erhalten die Kaffeeproduzenten bis zu zwei Prozent höhere Preise, wenn sie den Kaffee gegen Dollars verkaufen. Diese Entwicklung macht sich auch bei allen exportierten Agrargütern Brasiliens bemerkbar, also auch bei Zucker und Getreide.

Gleichzeitig beklagt aber Brasilien wegen der außergewöhnlichen Trockenheit 2014/15 im Südwesten des Landes eine bescheidene Ernte. Die Dürre beeinträchtigt das Wachstum der Kaffeesträucher auch in der Saison 205/16. So meldet Brasilien eine Produktion von höchstens 44,2 Millionen Sack zu je 60 Kilogramm gegenüber 45 Millionen Sack im letzten Kaffeejahr.

Davon ist die Sorte Robusta besonders in Mitleidenschaft gezogen. Brasilien rechnet mit einer Robusta-Ernte von nur 10,85 Millionen Sack gegenüber 13,04 Millionen im Vorjahr.

Noch mehr erstaunt der Preisverfall, weil neben dem mit Abstand weltgrößten Kaffeeproduzenten Brasilien auch Indonesien, die Weltnummer drei, wegen des Wetters vor Ernteeinbußen steht. Die diesjährige Ernte des Landes wird auf höchstens 5,86 Millionen Sack geschätzt, im Vergleich zu 6,7 Millionen Sack im Vorjahr.

Bisher haben diese Ernteausfälle nicht nur wegen des teurer gewordenen Dollars Spuren am Markt hinterlassen, sondern auch wegen des Umstands, dass Vietnam, der weltgrößte Robusta-Produzent, eine Rekordernte erwartet, welche den Ausfall Brasiliens und Indonesiens kompensieren könnte.

Am Markt herrscht bisher noch keineswegs Hektik wegen der möglichen Produktionsausfälle. Sollten sich allerdings die Erwartungen an Vietnam nicht erfüllen, ist bis weit ins nächste Jahr hinein eine Erhöhung der Notierungen im Bereich des Möglichen, die sich gegenüber der heutigen Preislage sogar verdoppeln könnten.




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