Letztes Update am Mo, 07.12.2015 15:24

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Nach Wirtschaftseinbruch in Brasilien Prognosen nun noch düsterer



Brasilia (APA/Reuters) - Nach dem unerwartet heftigen Wirtschaftsrückgang in Brasilien im dritten Quartal haben Volkswirte ihre ohnehin schon düsteren Prognosen für das Gesamtjahr und auch für 2016 gekappt. Für 2015 gehen sie im Schnitt nun von einem Minus von 3,5 Prozent und für das kommende Jahr von 2,31 Prozent aus, wie eine am Montag von der Zentralbank veröffentlichte Umfrage unter 100 Ökonomen ergab.

Bisher war nur ein Rückgang von 3,19 beziehungsweise 2,04 Prozent erwartet worden. Den jüngsten Daten zufolge war die Wirtschaft der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas im dritten Quartal zum Vorjahreszeitraum um 4,5 Prozent geschrumpft.

Brasilien kämpft mit dem heftigsten Wirtschafts-Abschwung seit den 1930er Jahren. Grund dafür ist einerseits der Preisverfall am Rohstoff-Markt, etwa beim Öl. Zudem hat der größte Korruptionsskandal in der Geschichte des Landes um den Energiekonzern Petrobras das Vertrauen in die Wirtschaft massiv eingetrübt und die Investitionen binnen Jahresfrist um 15 Prozent einbrechen lassen. In der Folge hat die Wirtschaft 1,4 Millionen Stellen abgebaut, was die Zahl der Arbeitslosen auf den höchsten Stand seit der Finanzkrise im Jahr 2009 trieb. Der Regierung brachen daraufhin die Steuereinnahmen weg. Präsidentin Dilma Rousseff will mit Kürzungen bei den Ausgaben gegensteuern, kann sich damit aber in den eigenen Reihen nicht durchsetzen. Gegen Rousseff läuft zudem ein Verfahren zur Amtsenthebung. Ihr wird vorgeworfen, Steuergesetze verletzt und Staatsfinanzen manipuliert zu haben, um ihren Wahlkampf im vergangenen Jahr zu finanzieren.




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