Letztes Update am Mo, 07.12.2015 16:48

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Razzia überschattet Börsendebüt von Kika-Leiner-Mutter Steinhoff



Frankfurt/Sandton (APA/Reuters) - Nach der Steuer-Razzia hat die Kika-Leiner Mutter Steinhoff in Frankfurt ein glanzloses Börsendebüt gefeiert. Zeitweise verloren die Aktien des Betreibers der „Poco“-Einrichtungshäuser am Montag fast sechs Prozent auf fünf Euro, auch am Nachmittag lagen sie noch deutlich im Minus. Ein echter Börsenneuling ist Steinhoff nicht.

Die vormals von der Familie Koch geführten Möbelketten Kika und Leiner gehören seit 2013 zu Steinhoff. Der südafrikanische Einrichtungskonzern wechselte nun mit der Hauptnotierung seiner Aktien lediglich von der Johannesburger an die Frankfurter Börse. Mit einer Bewertung von umgerechnet gut 20 Milliarden Euro liegt Steinhoff auf Augenhöhe mit den DAX-Mitgliedern E.ON und Henkel. Weil der Firmensitz in Südafrika bleiben soll, ist ein Aufstieg in die erste Börsenliga aber nicht möglich.

Steinhoff will sich mit dem Wechsel nach Frankfurt neue Investorengruppen erschließen, zumal der Konzern den Großteil seines Umsatzes und Gewinns schon jetzt in Europa erwirtschaftet. Schlagzeilen machte der Ikea-Konkurrent in der vergangenen Woche aber mit etwas anderem: Die Deutschland-Tochter ist ins Visier der deutschen Steuerfahnder geraten. Nach Konzernangaben durchsuchten Ermittler Ende November die Büroräume in Westerstede bei Bremen. Dabei gehe es unter anderem um die bilanzielle Bewertung von Anteilsverkäufen der Steinhoff Europe Group Services GmbH (SEGS). Das Unternehmen arbeite mit den Behörden zusammen.

Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters versuchte Steinhoff-Chef Markus Jooste nun, die Anleger zu beruhigen. Er erwarte nicht, dass die Untersuchungen signifikanten Einfluss auf das Geschäft der Gruppe hätten, sagte er. Steinhoff habe Anwälte beauftragt, sich der Sache anzunehmen. Die Behörden hätten Dokumente angefordert, die nun nachgereicht würden. „Das ist alles sehr neu für uns. Ab und zu passieren solche Dinge bei Großunternehmen. Wir arbeiten weltweit in 40 verschiedenen Jurisdiktionen.“

In Europa will Steinhoff weiter expandieren. Das gelte für Osteuropa genauso wie für Großbritannien, Portugal, Spanien und Frankreich. „In Deutschland sind wir noch unterrepräsentiert. Da wollen wir unser Geschäft ausbauen.“ In Deutschland gibt es derzeit 107 Poco-Häuser. Unter anderem in Frankreich (Conforama) und Südafrika (Pepkor) wuchs Steinhoff zuletzt über Zukäufe und baute dabei auch die Produktpalette aus - zu Möbeln gesellten sich Haushaltswaren und Bekleidung hinzu. Weitere Übernahmen stünden derzeit aber nicht auf der Agenda, sagte Jooste.

Als Handicap bei der Expansion erweist sich für Steinhoff jetzt die Zusammenarbeit mit dem Österreicher Andreas Seifert, gemeinsam mit seinem Bruder Richard Eigentümer der Möbelkette XXXLutz. Seifert ist als Privatmann mit seiner deutschen OM Handels GmbH zu 50 Prozent am deutschen Möbel-Discounter Poco mit 107 Filialen und einem Umsatz von 1,3 Mrd. Euro beteiligt. Die anderen Hälfte gehört Steinhoff. Der Einrichtungskonzern hätte nun gerne mehr Einfluss bei Poco, scheitert aber am Widerstand von Seifert. „Es gibt keine Überlegungen, sich von der Poco-Beteiligung zu trennen“, sagte Seifert dem Nachrichtenmagazin „Format“ in seiner aktuellen Ausgabe. Freiwillig werde er keine Anteile abgeben. „Es gibt auch keinen Anlass zu der Annahme, dass wir durch ein gerichtliches Verfahren herausgedrängt werden könnten.“

Neben dem Poco-Investment wollte sich Seifert bei dem von Steinhoff geschluckten französischen Möbelriesen Conforama mit 26,5 Prozent beteiligen. Um den Einstieg Seiferts bei Conforama läuft am Wiener Handelsgericht ein Verfahren mit einem Streitwert von knapp 400 Millionen Euro. Steinhoff weist laut „Format“ im aktuellen Börsenprosekt auf die entsprechenden Risiken hin

~ WEB http://www.kika.at

http://www.leiner.at

http://www.steinhoffinternational.com/ ~ APA390 2015-12-07/16:46




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