Letztes Update am Di, 08.12.2015 12:27

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


DIHK will Flüchtlingen Einstieg in den Arbeitsmarkt erleichtern



Berlin (APA/Reuters) - Die deutschen Industrie- und Handelskammern wollen mit einem Aktionsprogramm Flüchtlingen zu einem Arbeitsplatz verhelfen. „Flüchtlingen soll möglichst früh der Einstieg insbesondere in Praktika, Einstiegsqualifikation und berufliche Bildung gelingen“, sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer, am Dienstag zum Ziel des Vorhabens.

Allerdings sei die Integration in den Arbeitsmarkt eine Langfrist-Aufgabe. „Gehen Sie von sieben bis zehn Jahren aus“, schätzte er den Zeitraum vom Asyl-Antrag eines jungen Flüchtlings bis zur Aufnahme einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit. Auch lasse sich mit dem Zustrom an Asylbewerbern nicht der Fachkräftemangel lösen.

Das Programm will sich der DIHK mindestens 20 Mio. Euro kosten lassen. Mehr als 170 Menschen sollen deutschlandweit fest als Ansprechpartner für die Umsetzung eingesetzt werden. In erster Linie geht es um die Beratung von Unternehmen, um Hilfen bei der beruflichen Orientierung von Flüchtlingen - etwa über Praktika und Betriebsbesuche - und um die Vermittlung junger Zuwanderer in Ausbildung. Wie viele Migranten am Ende damit in den deutschen Arbeitsmarkt gebracht werden können, lässt sich nach Schweitzers Worten nicht sagen. Experten schätzen, dass bezogen auf die erwartete Zuzugszahl von über eine Million in diesem Jahr davon letztlich 200.000 bis 300.000 eine feste Beschäftigung in Deutschland finden könnten.

Von der Politik erhofft sich Schweitzer, dass sie die berufliche Integration dieser Menschen mit dem Abbau rechtlicher Beschränkungen für die Arbeits- und Ausbildungsaufnahme flankiert. So plädierte der DIHK-Präsident dafür, dass die sogenannte Vorrangsprüfung ganz fallengelassen wird. Dabei prüft die Arbeitsagentur zunächst, ob bei der Besetzung einer Stelle durch einen Asylbewerber nicht ein deutscher oder EU-Bürger infrage kommt. Zudem forderte Schweitzer, Flüchtlingen mit Ausbildungsplatz ein entsprechend langes Bleiberecht einzuräumen: „Wenn sie einen Azubi einstellen, darf er mindestens für die Zeit der Ausbildung und noch zwei Jahre danach bleiben“. Auch bei der Duldung nicht anerkannter Asylbewerber seien Verbesserungen wünschenswert. Die entscheidende Basis für alles sei aber, dass den Flüchtlingen schnellstmöglich die deutsche Sprache vermittelt werde.




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