Letztes Update am Di, 08.12.2015 13:45

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Papst öffnete Heilige Pforte - Jubiläumsjahr beginnt



Vatikanstadt (APA) - Mit einer feierlichen Zeremonie im Petersdom hat Papst Franziskus am Dienstag das Heilige Jahr der Römisch-Katholischen Kirche eröffnet. Unter dem Applaus der Gläubigen öffnete und durchschritt der Pontifex die Heilige Pforte im Petersdom, die seit 2001 geschlossen war, und startete damit offiziell das „Jubiläum der Barmherzigkeit“. Die Heilige Pforte symbolisiert das Tor zum Paradies.

Nur mit Mühe konnte Franziskus die Heilige Pforte in der rechten Vorhalle des Petersdoms öffnen. Er musste mehrmals Druck ausüben, bis das große goldverzierte Tor nachgab. Auf der Schwelle sammelte sich Franziskus in einem Moment des Gebets, gebeugt, aber nicht kniend. Danach durchschritt er als erster Pilger die Pforte ins Innere des Petersdoms. Ihm folgte Papst Benedikt, der von seinem Privatsekretär Erzbischof Georg Gänswein begleitet wurde.

In der Vorhalle der Basilika umarmten sich Franziskus und sein Vorgänger. Benedikt XVI. verfolgte nicht die ganze Messe zum Jubiläumsbeginn, sondern lediglich die Zeremonie zur Eröffnung der Heiligen Pforte. Beim Angelusgebet rief Franziskus die Gläubigen auf, Benedikt einen Gruß zu schicken. „Es handelt sich um das erste Jubiläumsjahr mit zwei Päpsten“, kommentierten Insider.

Das „Jubiläum der Barmherzigkeit“ ist ein Außerordentliches Heiliges Jahr, das erste mit einem präzisen Thema als Inhalt. Damit will der Papst die Menschen zu Umkehr und Hinwendung zu Gott aufrufen und ihren Blick auf Bedürftige und Notleidende lenken. Bis zur neuerlichen Schließung der Heiligen Pforte am 20. November 2016 werden Millionen Menschen diese Schwelle überschreiten und damit Buße und Läuterung erbitten. Das Heilige Jahr wird in der katholischen Kirche alle 25 Jahre begangen. Im Jubiläumsjahr, das die katholische Kirche seit 1475 alle 25 Jahre feiert, können Gläubige durch Gebet und Buße einen Ablass ihrer Sünden erlangen.

Zum Auftakt des Außerordentlichen Heiligen Jahres feierte das Kirchenoberhaupt eine Messe, bei der auch an das Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils vor 50 Jahren erinnert wird. Dabei rief der Papst die Gläubigen auf der ganzen Welt auf, „jede Form von Angst und Furcht aufzugeben“ und in der Freude zu leben. Dieses Heilige Jahr sei ein „Geschenk der Gnade“.

Etwa 50.000 Gläubige verfolgten vom Petersplatz aus über vier riesige Bildschirme die Zeremonie. Die Menschenzahl rund um den Petersdom lag aber deutlich unter den Erwartungen. Der Vatikan hatte mit einer doppelt so hohen Pilgeranzahl gerechnet. Das Fernsehen strahlte das Ereignis weltweit aus. Wim Wenders beriet den Vatikan bei der Eröffnungszeremonie künstlerisch. Der deutsche Filmregisseur engagierte sich während der Eröffnungsmesse beim Vatikansender (CTV), der in Zusammenarbeit mit Radio Vatikan die Messfeier übertrug.

Am Dienstagnachmittag ist für den Papst ein weiterer Termin mit einem Pilgeransturm vorgesehen. So wird er an der Mariensäule vor der Spanischen Treppe in Rom beten. Zu der traditionellen Visite des Papstes werden mehrere Tausend Menschen zur Piazza di Spagna strömen. Am Fuß der Säule wird der Papst ein Blumengebinde in den vatikanischen Farben Gelb und Weiß niederlegen. Die Mariensäule wurde 1856 errichtet, um an das von Papst Pius IX. zwei Jahre zuvor erlassene Dogma der Unbefleckten Empfängnis Marias zu erinnern. Die Eröffnungszeremonie des Heiligen Jahres endet am Dienstagabend mit einer Lichtinstallation, bei der Bilder zu den Themen Barmherzigkeit und Umwelt auf den Petersdom projiziert werden.




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