Letztes Update am Di, 08.12.2015 13:57

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Klimaschutz-Index: Wenig Dynamik Grund für Österreichs Abschneiden



Paris/Wien (APA) - Österreichs schlechtes Abschneiden beim Klimaschutz-Index der deutschen Umweltschutzorganisation Germanwatch hat für Jürgen Schneider vom Umweltbundesamt auch etwas mit den Bewertungskriterien zu tun. „Es gibt Aufholbedarf in der Klimapolitik, aber der Index gewichtet die Änderungen weitaus stärker, als den Istzustand eines Landes“, sagte der Experte am Dienstag im Gespräch mit der APA.

Der heimische Status Quo sei aber in vielen Bereichen durchaus als positiv zu bewerten. Der Anteil Erneuerbaren Energie am energetischen Endverbrauch liegt bei 33 Prozent, jener an der öffentlichen Stromproduktion sogar 80 fast Prozent, einem europäischen Spitzenwert, gibt Schneider zu bedenken. „Klar ist aber, dass die Dynamik in Österreich zuletzt langsamer als in anderen Staaten war“, räumte der Klimaexperte Handlungsbedarf ein.

Österreich fiel beim Index von Platz 36 auf die 45. Stelle, während Großbritannien sich auf Rang Fünf wiederfand. „Das dafür mitverantwortliche niedrige Emissionsniveau bei den Briten erklärt sich jedoch damit, dass hier die Industrieproduktion großteils nach Südostasien ausgelagert wurde und der Dienstleistungssektor extrem ausgebaut wurde“, sagte Schneider. Würde man hingegen die konsumbasierten Emissionen zur Bewertung hinzuziehen, sähe die Lage anders aus. Zudem wird viel Strom aus Kernkraft bezogen.

Was die Treibhausgasemissionen betrifft, da sei es Tatsache, dass Österreich in den vergangenen 20 Jahren weniger reduziert hat, als im EU-Schnitt, denn 2013 war hier der Wert nahezu unverändert im Vergleich zu 1990, in der EU betrug die Reduktion jedoch 20 Prozent - somit herrscht hier ebenfalls Handlungsbedarf. Die Erklärung liegt jedenfalls in der weiterhin relativ hohen Industriequote von Österreich, die mit 19 Prozent zumindest um vier Prozent höher als im EU-Schnitt liegt, erläuterte der Programmleiter Wirtschaft und Wirkung im Umweltbundesamt. Würde man die Emissionen mit dem BIP in Bezug setzen, wären die Werte hier ebenfalls besser.

Weiteren Aufholbedarf hat Österreich laut Schneider im Verkehrssektor, was jedoch den gesamten EU-Raum betrifft. Hierzulande sind von den knapp 80 Millionen Tonnen CO2 Gesamtemissionen im Jahr 2013 etwa 22 Millionen auf den Verkehr zurückzuführen, davon sind aber immerhin an die 30 Prozent dem Tanktourismus zuzuschreiben. Eine Anhebung der Besteuerung von Treibstoff wäre hier ein Mittel, diese Zahl zu reduzieren, sagte Schneider

Das negative Abschneiden beim Index ist laut der Umweltschutzorganisation Global 2000 vor allem die negative Bewertung der Klimapolitik zurückzuführen. „Die Bundesregierung hat das Jahr 2015 praktisch ungenutzt verstreichen lassen“, kritisierte Global-Klimasprecher Johannes Wahlmüller in einer Aussendung.

Global 2000 gab zu bedenken, dass untere anderem auch die mangelhafte Umsetzung des Energieeffizienzgesetzes, Kürzungen bei der Förderung der thermischen Sanierung und der niedrige Beitrag Österreichs für den Green Climate Fund und die internationale Klimafinanzierung insgesamt schlecht bewertet wurden.

Nicht überrascht über Österreichs Ranking war Christiane Brunner, Umweltsprecherin der Grünen. „Dabei ist die Demontage des Energieeffizienzgesetzes durch Wirtschaftsminister Mitterlehner und Umweltminister Rupprechter in dieser Bewertung noch gar nicht berücksichtigt“, lautete Brunners Kritik, die nach der Klimakonferenz für einen „Runden Tisch“ plädierte.




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