Letztes Update am Di, 08.12.2015 14:42

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Deutsche Bank sauer auf die Staatsanwaltschaft: Ende der Kooperation



München (APA/dpa) - Eiszeit zwischen der Deutschen Bank und der Münchner Staatsanwaltschaft: Monatelang haben sich Verteidiger und Ankläger im Strafprozess gegen Deutsche Bank Co-Chef Jürgen Fitschen gefetzt. Am Dienstag eskalierte der Streit vor dem Landgericht München derart, dass die Deutsche Bank ihre Kooperation mit der Staatsanwaltschaft aufkündigte und eine Entschuldigung verlangte.

Selbst Fitschens Verteidiger, der im Prozess um den Fall Kirch bisher gelassen blieb, verlor die Fassung: „So etwas habe ich noch erlebt“, schimpfte er in einer Prozesspause. „Für diese Staatsanwaltschaft sollte man keinen Finger mehr rühren.“

Auslöser waren neue Vorwürfe, mit denen die Ankläger das Frankfurter Geldhaus konfrontierten: Die Bank, so der Verdacht der Staatsanwaltschaft, bereitet Mitarbeiter womöglich gezielt auf Zeugenaussagen in dem laufenden Prozess gegen Fitschen & Co vor. „Mock Trial“ heißt diese Praxis in den USA: Gerichtsprozesse werden zur Ausbildung oder Vorbereitung auf ein Verfahren wie ein Theaterstück mit verteilten Rollen einstudiert: Einer spielt den Richter, einer den Verteidiger und einer den Angeklagten oder Zeugen.

Die Münchner Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Deutsche Bank solch ein „Mock Trial“ schon mit dem früheren Bank-Chef Rolf Breuer durchgespielt hat, als er vor vier Jahren vor dem Oberlandesgericht München aussagen sollte. In dem Zivilprozess ging es um milliardenschwere Schadenersatzforderungen des Medienunternehmers Leo Kirch, der Breuer und die Bank sein Leben lang für die Pleite seines Medienimperiums verantwortlich gemacht hatte. Die Anklage ist überzeugt davon, dass Breuer die Richter damals belog, um die Forderungen abzuwehren. Fitschen, sein Vorgänger Josef Ackermann und zwei weitere sollen dabei mit Breuer an einem Strang gezogen haben. Seit April stehen alle fünf in München vor Gericht.

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Aus Sicht der Verteidiger ist der Prozess gegen die Top-Banker ein Skandal - die Anklage entbehre jeder Grundlage. Insbesondere Oberstaatsanwältin Christiane Serini, die die Ermittlungen vorangetrieben hatte und den Angeklagten „Lügenmärchen“ vorwirft, steht massiv in der Kritik. Sie habe sich verrannt und werde mit ihrer Anklage einen Totalschaden erleiden, sagte Fitschens Verteidiger Feigen. „Das wird ein Freispruch ohne Wenn und Aber.“

Die Staatsanwaltschaft räumte einen rauen Ton in dem Verfahren ein. „Hier wird scharf geschossen, das mag sein“, sagte Stephan Necknig. Richter Peter Noll mahnte angesichts der aufgeheizten Stimmung zur Ruhe. In den vergangenen Jahren hat er schon etliche große Wirtschaftsprozesse geleitet, darunter das spektakuläre Verfahren gegen Formel-1-Chef Bernie Ecclestone. Sein jetziges Verfahren verlangt aber auch ihm Geduld ab. Eigentlich wollte er den Fall noch vor der Weihnachtspause beenden, musste sich wegen immer neuer Beweisanträge der Staatsanwaltschaft aber von dem Zeitplan verabschieden. Die Ankündigung der Deutschen Bank, nicht mehr mit der Staatsanwaltschaft zu kooperieren, könnte das Verfahren weiter verzögern - denn die Behörde hat bereits neue Schriftstücke von der Bank angefordert.

Noch hofft Richter Noll aber auf ein Ende des Prozesses in der Karnevalswoche - und bis dahin wieder auf etwas mehr Ruhe in seinem Gerichtssaal: Die Schärfe in dem Verfahren sei ihm nicht entgangen, mahnte er und schickte eine Warnung hinterher: „Sie wissen schon: Der Grundsatz „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ führt zur allseitigen Erblindung.“

~ ISIN DE0005140008 WEB https://www.deutsche-bank.de/index.htm ~ APA239 2015-12-08/14:38




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