Letztes Update am Di, 08.12.2015 16:27

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Überangebot drückt Ölpreise: Brent erstmals seit 2009 unter 40 Dollar



Frankfurt (APA/Reuters) - Das weltweit wachsende Ölangebot bringt an den Terminmärkten die Preise für den Rohstoff immer stärker ins Trudeln. Am Dienstag verbilligte sich Nordseeöl der Sorte Brent um bis zu 2,3 Prozent auf 39,81 Dollar (36,8 Euro) je Barrel (159 Liter). US-Leichtöl der Sorte WTI fiel zeitweise um 2,7 Prozent auf 36,64 Dollar.

Beide Sorten lagen damit erstmals seit Februar 2009 unter wichtigen charttechnischen Marken - 40 Dollar beim Brent und 37 Dollar beim WTI. Die Analysten der Commerzbank warnten indessen, dass die Ölschwemme schon im nächsten Jahr der Vergangenheit angehören und die Preise dann wieder steigen könnten.

Anleger fürchteten, vor einer zügellosen Wettproduktion zwischen den Staaten innerhalb und außerhalb der OPEC zu stehen, sagte CMC-Markets-Analyst Jochen Stanzl. „OPEC hat die Kontrolle über den Markt verloren“, fügte sein Kollege Michael Hewson - ebenfalls von CMC Markets hinzu. Nunmehr seien die während der Finanzkrise 2008 erreichten Tiefstände das nächste Ziel. Bei Brent wäre das die Marke von 36,20 Dollar. Das war so wenig wie zuletzt im Juli 2004 - zu Beginn des Super-Rohstoff-Zyklus. Dieser endete mit der Finanzkrise im Sommer 2008, als Brent mit 147,50 Dollar je Barrel sein Rekordhoch markierte und dann abstürzte.

„Die Hoffnung einiger, dass die OPEC es doch noch einmal richten könnte, ist vom Tisch“, erklärten die Experten von JBC Energy. Das Kartell hatte am Freitag in seiner Schlusserklärung nicht einmal mehr eine obere Fördergrenze genannt. Dabei liegt die Überproduktion an Öl derzeit schon Schätzungen zufolge bei etwa zwei Millionen Fässern am Tag. Damit gehe der Kampf um Marktanteile in die nächste Runde, erklärte ein Börsianer. Ein Grund für das Überangebot ist der Anstieg der Förderung im Zuge des Schiefergas-Booms in den USA mit Hilfe der umstrittenen Fracking-Technik.

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Viele Experten - darunter Goldman Sachs - vermuten, dass der Preis noch bis auf 20 Dollar fallen kann. Dies liegt dem US-Geldhaus zufolge vor allem an den hohen Ölbeständen weltweit.

Andere Analysten verweisen darauf, dass die niedrigen Preise die teuere Fracking-Förderung in den USA immer unattraktiver macht. Immer mehr Produzenten könnten so in die Knie gezwungen werden, erklärten die Analysten der Commerzbank. Im nächsten Jahr werde das Angebot außerhalb der OPEC so stark wie seit mehr als zwanzig Jahren nicht mehr sinken. „Da das Überangebot zum Ende des Jahres abgebaut sein sollte, dürfte sich der Ölpreis in der zweiten Jahreshälfte deutlich erholen“, erklärten die Experten.




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