Letztes Update am Di, 08.12.2015 17:27

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Klima-Gipfel - Bhutans Beitrag: Die immerwährende Klimaneutralität



Le Bourget/Paris (APA) - Während andere Länder bemüht sind, ihren CO2-Ausstoß zu reduzieren, gibt es mit Bhutan einen Vertreter beim Klimagipfel in Paris, der für sich eine negative Emissionsbilanz reklamiert. „Wir wollen für immer klimaneutral bleiben. Das ist unser Beitrag“ sagte Yeshey Dorji, der Landwirtschaftsminister des Himalaya-Königreichs am Dienstag im Gespräch mit der APA.

Der Vertreter der LDC-Gruppe, zu denen die am wenigsten entwickelten Länder der Welt zählen, betonte, dass das Bekenntnis zur immerwährenden Klimaneutralität auch im nationalen Vorschlag zur Senkung der Treibhausgasemissionen (INDC) steht. „Wir kamen aus mehreren Gründen zum Klima-Gipfel nach Paris. Zum einem wollen wir, dass ein verbindliches Abkommen erreicht wird, dass zum Erreichen des Zwei-Grad-Ziels beiträgt. Für Bhutan wäre aber ein 1,5-Grad-Ziel erst ein Erfolg. Zweitens schauen wir uns die finanziellen Verpflichtungen gegenüber den LDC-Staaten an“, so Dorji.

Der Minister wies darauf hin, dass die Ökonomie der zwischen Indien und China gelegenen konstitutionellen Monarchie sehr von der Energie aus Wasserkraft wie auch von der Landwirtschaft abhängig ist, „und beides ist vom Klimawandel betroffen“, betonte der für Landwirtschaft und Wälder zuständige Politiker. „Wir sind besorgt, aber tragen unseren Teil gegen die Erdewärmung bei, denn wir absorbieren sechs Millionen Tonnen CO2 und verursachen nur zwei - unsere positive Bilanz beträgt also vier Millionen Tonnen. Dazu gehört etwa, dass wir saubere Wasserkraft nach Indien exportieren“, beschrieb Dorji die doch außergewöhnliche Situation des rund 730.000 Einwohner zählenden Landes.

Mehr als 70 Prozent des Landes ist Waldgebiet und über 52 Prozent des Landes gehören einem Schutzgebietsystem an, ähnlich dem EU-System Natura 2000. Dazu zählen etwa Nationalparks oder Tierreservate, erklärte der Minister. „In unserer Verfassung ist festgelegt, dass wir 60 Prozent der Waldfläche erhalten werden, sagte Dorji, der den Grund dafür in der „weisen Herrschaft“ der Regenten Bhutans sieht. „Bereits in den 70er-Jahren, als anderswo noch niemand vom Klimawandel und Umweltverschmutzung gesprochen hat, beschloss unser König im Alter von 16 Jahren, dass man ein Prinzip der ‚Gross National Happiness‘ einführen soll.“

Dieses Entwicklungsprinzip des „Bruttonationalglücks“ versucht das Wohl und die Lebensqualität der Bevölkerung in den Mittelpunkt zu stellen, statt sich dem Bruttoinlandsproduktes (BIP) der Ökonomie zu unterwerfen - und zu diesem Glück zählt auch der Schutz der Natur. Für die westlichen Staaten, die mit ihrem Lebensstil maßgeblich zur Erderwärmung beitragen, hat der Minister einen Rat in Form eines Zitats von Mahatma Gandhi: „Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.“ Das sei aber sein persönlicher Standpunkt, betonte Dorji.




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