Letztes Update am Di, 08.12.2015 19:12

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kanadas Premier kündigte Untersuchung zum Tod von Ureinwohnerinnen an



Ottawa (APA/AFP) - In einer Abkehr von der Politik der Vorgängerregierung hat Kanadas neuer Premierminister Justin Trudeau eine Untersuchung zum Tod oder Verschwinden von knapp 1.200 indigenen Frauen angekündigt. „Ich habe versprochen, dass ich in den kommenden Jahren Ihr Partner sein werde“, sagte Trudeau am Dienstag vor Vertretern verschiedener Indianerstämme.

Es sei Zeit für eine Neuauflage der Beziehungen zu den Ureinwohnern, hieß es weiter. Angesichts der Vielzahl an ermordeten oder verschwundenen Frauen in der indianischen Bevölkerung in den vergangenen Jahrzehnten hatte es bereits seit langem Forderungen nach Untersuchungen gegeben. Das Schicksal der Frauen ist in vielen der 600 indigenen Gemeinden in Kanada eine offene Wunde. Immer wieder gab es Vorwürfe, Mordermittlungen seien schlampig geführt worden und bei der Aufklärung der Schicksale von Vermissten habe es Versäumnisse gegeben.

Nach Polizeiangaben wurden im Zeitraum zwischen 1980 und 2012 knapp 1.200 Frauen der Ureinwohner-Bevölkerung ermordet oder verschwanden. Das sind drei bis vier Mal so viele wie im Rest der Bevölkerung. Die konservative Vorgängerregierung hatte die Fälle als Verbrechen eingestuft, die von der Polizei aufgeklärt werden müssten und nicht als soziales Phänomen anzusehen seien.

Trudeau kündigte nun neben den Untersuchungen auch zusätzliche Investitionen in die Bildung unter den Angehörigen der Ureinwohner an sowie die Umsetzung der UN-Erklärung zu den Rechten indigener Völker. Als einzige Länder hatten Kanada, Australien, die USA und Neuseeland 2007 gegen die Erklärung gestimmt.

Der Vorsitzende der Ureinwohner in Kanada, Perry Bellegarde, begrüßte den Kurswechsel. Er sei „optimistisch“, es gebe aber viel Arbeit. Noch immer gebe es eine große Kluft in den Lebensverhältnissen zwischen den Ureinwohnern und der restlichen Bevölkerung. Die Ureinwohner stellen in Kanada mit 1,4 Millionen Nachkommen 4,3 Prozent der Gesamtbevölkerung.




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