Letztes Update am Mi, 09.12.2015 09:06

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Großer Zuschauerandrang im NSU-Prozess



München (APA/dpa) - Die mit Spannung erwartete Aussage der Hauptangeklagten Beate Zschäpe im deutschen NSU-Prozess sorgt für einen großen Zuschauerandrang. Bereits Stunden vor Beginn der Verhandlung am Mittwoch warteten die ersten Besucher am Mittwochmorgen vor dem Eingang des Oberlandesgerichts in München. Es bildete sich eine Schlange von rund 150 Wartenden.

Im Sitzungssaal 101 des Oberlandesgerichts ist allerdings nur Platz für rund 50 Zuschauer und 50 Journalisten. Die mutmaßliche Neonazi-Terroristin Zschäpe will am Mittwoch ihr mehr als zweieinhalbjähriges Schweigen im NSU-Prozess brechen. Ihr Anwalt Mathias Grasel kündigte an, eine Aussage zu verlesen. Zschäpe muss sich als Mittäterin an sämtlichen Verbrechen verantworten, die dem „Nationalsozialistischen Untergrund“ angelastet werden.

Der Opferanwalt Mehmet Daimagüler erwartet keine Aufklärung von der Aussage Zschäpes. „Meine Hoffnungen sind groß, meine Erwartungen sind klein“, sagte er vor Beginn des Verhandlungstages. „Ich habe Beate Zschäpe kennengelernt als relativ unempathische Frau und nicht als eine Frau, die reinen Tisch machen will. Ich könnte mir vorstellen, dass es heute eher eine Art taktische Einlassung gibt.“

Dem „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) werden zehn Morde zwischen 2000 und 2007 angelastet, an neun Männern aus Zuwandererfamilien und einer Polizistin. Die Sicherheitsbehörden waren den erst 2011 aufgeflogenen mutmaßlichen Rechtsterroristen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe jahrelang nicht auf die Spur gekommen. Gegen Zschäpe läuft seit 2013 ein Prozess vor dem Oberlandesgericht München. Ihre beiden Komplizen sind nicht mehr am Leben.




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