Letztes Update am Mi, 09.12.2015 09:54

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Massaker-Prozess in Linz gestartet 1



Linz/Sarajevo (APA) - Ein Prozess rund um ein Massaker im Jugoslawienkrieg hat Mittwochfrüh in Linz begonnen. Einem mittlerweile eingebürgerten Bosniaken wird 16-facher Mord vorgeworfen. Das öffentliche Interesse war vergleichsweise verhalten. Eng war es hingegen auf der Geschworenenbank - wegen der langen Verfahrensdauer startete das Gericht mit 15 Geschworenen und einem Ersatzrichter.

Der 48-jährige Angeklagte ist nicht in U-Haft, weil das Oberlandesgericht keinen dringenden Tatverdacht sieht. Der Baggerfahrer, der seit den 1990er-Jahren in Österreich lebt, erschien im dunklen Anzug und wirkte gefasst und gelassen. Er besprach sich mit seinen Verteidigern Jürgen Nowotny und Viktor Beer und ließ das Blitzlichtgewitter der Fotografen vor Prozessbeginn ungerührt über sich ergehen. Der Andrang an Kiebitzen war ohnehin überschaubar.

Am 17. September 1992 wurde das von Serben bewohnte Dorf Serdari in der Region Kotor Varos überfallen. Täter waren vermutlich 20 bis 30 Bosniaken (bosnische Muslime). Sie töteten 16 Bewohner und fackelten die Gebäude ab, auch ein Angreifer kam ums Leben. Vier mutmaßliche Haupttäter wurden 2014 in Sarajevo vor Gericht gestellt. Im Lauf dieses Verfahrens geriet auch der 48-Jährige ins Visier der Justiz. Weil der gebürtige Bosnier mittlerweile eingebürgert wurde, wird ihm in Linz der Prozess gemacht.

( 1398-15; Format 88 x 55 mm)




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