Letztes Update am Mi, 09.12.2015 10:43

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Internationale Pressestimmen zu umstrittener Trump-Forderung



Washington (APA/dpa/AFP) - Europäische Zeitungen kommentieren am Mittwoch die Forderung von Donald Trump nach einem US-Einreiseverbot für Muslime wie folgt:

„El Pais“ (Madrid):

„Es war für Donald Trump nicht leicht, seine skandalösen Äußerungen der Vergangenheit zu übertrumpfen. Mit seiner Forderung nach einem Einreiseverbot für Muslime gelang es ihm, alle Grenzen des Tolerierbaren zu durchbrechen. Es ist eine Schande, dass jemand für das Amt des US-Präsidenten kandidieren will, der das Grundrecht der Religionsfreiheit abschaffen will.

Trump war zunächst nur eine Anekdote im Vorfeld der Präsidentenwahl. Er ist aber zu einer echten Gefahr für die Grundprinzipien des Zusammenlebens in den USA geworden. Bemerkenswerterweise verurteilten führende Republikaner jetzt endlich Trumps Populismus und vergiftete Demagogie. Dies sollten nun auch die Wähler tun.“

„Neue Züricher Zeitung“:

„Wenn Trump sämtliche Register der Angstmacherei und des Ausgrenzens der ‚anderen‘ zieht und damit Erfolg hat, heißt das auch, dass seine Anhänger verängstigte Rassisten sind? Es gibt deutliche Hinweise darauf, dass die typischen Trump-Fans weiß, männlich und mittleren Alters sind und aus jener Schicht stammen, die von der Wirtschaftskrise der letzten acht Jahre sowie den strukturellen Umwälzungen der letzten Jahrzehnte am stärksten gebeutelt wurde. Verantwortlich dafür sind in ihren Augen die Eliten, die sich einen Deut um diesen Betrug scheren, und Minderheiten, die vom Niedergang der weißen Arbeiterklasse profitierten. Entsprechend oft hört man in diesen Kreisen das Wort, Amerika müsse zurückerobert werden. Trump ist der Bannerträger, der sie dabei führen soll.“

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„The Times“ (London):

„Demokraten betrachten die Erfolge der Kandidatur von Donald Trump bisher recht entspannt. Sie sehen ihn als nützlichen Hinweis an die Wähler über die Unwählbarkeit der Republikaner und die relative Attraktivität von (Ex-Außenministerin) Hillary Clinton. Doch die Beobachter der USA aus dem Ausland sehen, dass die Thesen Trumps von gewaltigen Menschenmengen mit Entzücken aufgenommen werden. Diesen Beobachtern fällt nicht auf, dass es nur eine Minderheit ist, die Trump unterstützt. Viele Nicht-Amerikaner sehen eine Nation, die sich aus Angst selbst isoliert und intolerant gegenüber anderen Religionen ist. Die USA erscheinen ihnen kaum als Führerin der freien Welt, die den barbarischen Islamischen Staat zu Fall bringt. Mit anderen Worten, die Feinde Amerikas lieben Donald Trump.“

„NRC Handelsblad“ (Amsterdam):

„‘Wir haben keine andere Wahl‘, versicherte Trump seinem enthusiastischen Publikum in South Carolina. Doch eine Wahl haben die Amerikaner durchaus. Das beginnt schon mit den Präsidentschafts-Vorwahlen bei den Republikanern. Wählen sie einen Kandidaten, der die reale Gefahr des Terrorismus stark übertreibt und eine ganze Bevölkerungsgruppe unter Verdacht stellt? Oder hören sie - trotz verständlicher Angst - auf die Stimme der Vernunft?

US-Präsident Obama wurde nach seiner kürzlichen Rede vorgeworfen, nicht hart genug zu sein. Gemeint war damit, dass er eine härtere Sprache gebrauchen und mehr Bombenangriffe versprechen sollte. Doch eigentlich war Obama auf andere Art nicht hart genug. Er hätte viel stärker betonen sollen, dass die Zwietracht, die Politiker wie Trump säen, die amerikanische Gesellschaft bedroht und den Terroristen in die Karten spielt.“

„Le Courrier Picard“ (Paris):

„Die Grenzen der USA für Muslime dicht machen - die Äußerungen des republikanischen Präsidentschaftsbewerbers Donald Trump haben eine gewaltige Kontroverse ausgelöst. Sein Satz findet Widerhall in zahlreichen Ländern, die mit islamistischen Terroristen und Flüchtlingen konfrontiert sind. (...) Es sind populistische und einfache Aussagen, eine demagogische Vermischung. Früher war es ‚der Fremde‘, jetzt ist es der Muslim, Sündenbock für die Schwierigkeiten einer komplizierten Welt. ‚Der Andere‘, vor allem, wenn er äußerlich leicht zu erkennen ist, ist immer der Grund für all das, was nicht läuft.“




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