Letztes Update am Mi, 09.12.2015 11:27

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bildungsreform: Wirtschaftskammer fehlt einiges



Wien (APA) - „Viel weniger als erhofft, aber mehr als erwartet“ ist für den Leiter der Abteilung Bildungspolitik in der Wirtschaftskammer (WKÖ), Michael Landertshammer, bei den Verhandlungen zur Bildungsreform herausgekommen. Aus seiner Sicht fehlt dem Papier vor allem Anreize dahin gehend, dass nur die geeignetsten Interessenten Zugang zur Lehrerausbildung erhalten, sowie die Betonung der Berufsorientierung.

Gewissermaßen der Knackpunkt für die Verbesserung des Bildungssystems ist für Landertshammer die Lehrerausbildung. In Zukunft müsse man mehr Anreize dahin gehend setzen, dass „die besten Leute“ diesen Beruf ausüben. Dazu brauche es - ähnlich wie an den Fachhochschulen organisierte - Auswahlverfahren an allen Institutionen, die in die Lehrerausbildung involviert sind sowie eine Aufwertung des Berufsbildes an sich, so der WKÖ-Bildungsexperte am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Insgesamt bewertete er die Ergebnisse der Reformgruppe „nicht als großen Wurf“ und in etwa mit der Schulnote „Drei minus“. Positiv sei der Vorstoß in Richtung zweites verpflichtendes Gratis-Kindergartenjahr und auch der sogenannte „Bildungskompass“, mit dem der Entwicklungsstand jedes Kindes erhoben werden soll.

Nur eine „leichte Verbesserung“ brächte dagegen die Einigung im Bezug auf die Schulautonomie. Dass künftig ein Schuldirektor etwa das Sachbudget selbst verwalten kann, sei zwar „gut, aber nicht das, was wir uns erwartet haben“. Über die flächendeckende Einführung der Gesamtschule würde nun erst nach einer Evaluierung der nicht flächendeckend in ganzen Bundesländern eingeführten Gesamtschul-Modellregionen im Jahr 2025 entschieden. Damit könne man nicht zufrieden sein.

Im Bereich der Schulverwaltung sei nicht mit einer wirklichen Verschlankung zu rechnen, stattdessen werde es vermutlich da oder dort „neue Türschilder geben“, erklärte Landertshammer. „Sehr positiv“ sei jedoch die zukünftige gemeinsame Abrechnung aller (Bundes- und Landes-)Lehrer. „Dann wird man sehen, wie viele Lehrer nicht in der Klasse sind“, sondern Verwaltungstätigkeiten ausüben, so der Experte.

~ WEB http://wko.at ~ APA178 2015-12-09/11:25




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