Letztes Update am Mi, 09.12.2015 11:33

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Hypo-Strafprozess: Kulterer blieb bei seiner Version



Klagenfurt (APA) - Im Hypo-Untreue-Prozess um eine Zahlung von 240.000 Euro an den ehemaligen Formel-1-Rennstallbesitzer Walter Wolf ist am Mittwoch Ex-Hypo-Vorstand Wolfgang Kulterer erneut einvernommen worden. Bei der Verhandlung am Landesgericht Klagenfurt blieb er bei seinen bisherigen Aussagen - am vergangenen Prozesstag war er von seinem Ex-Kollegen und Mitangeklagten Josef Kircher belastet worden.

Laut Staatsanwaltschaft hatte es für die Zahlung an Wolf keine Berechtigung gegeben. Die Hypo hatte das Geld an den Kärntner Jacques-Lemans-Chef Alfred Riedl überwiesen, dieser habe den Betrag an Wolf weitergeleitet. Kulterer betonte am Mittwoch erneut, dass er sich für die - von ihm freigegebene - Überweisung eine Uhrenlieferung erwartet hätte. Er habe angenommen, das Geld werde für Marketingzwecke verwendet. Kircher hatte jedoch ausgesagt, dass von Anfang an geplant war, dass Wolf einer Hypo-Tochter für dieses Geld ein Grundstück in Kroatien überschreiben sollte - und Kulterer sei über diese Vorgangsweise informiert gewesen. Man habe die Transaktion vorgenommen, weil Wolf mit einem vorher ausgehandelten Vergleich nicht zufrieden gewesen war. Wolf war auch als Beschuldigter geladen, die Verhandlung gegen ihn wurde aber ausgeschieden, da er laut Verteidigung aus medizinischen Gründen nicht reisefähig ist.

Auch der Generalvergleich war am Mittwoch Thema in der Verhandlung. Die Hypo hatte Wolf eine Million Euro bezahlt, weiters wurde ihm ein Kredit in Höhe von einer Million Euro erlassen. In einem Schreiben, das noch aus der Zeit der Vergleichsverhandlung stammt, war das Grundstück bereits Thema - schließlich ging der Vergleich aber über die Bühne, ohne dass das Grundstück überschrieben wurde. Warum das nicht gleich Teil des Vergleichs war, konnte Kulterer in seiner Befragung nicht sagen.

„Hat Kircher irgendeinen Grund, Sie zu Unrecht zu belasten?“, fragte Richterin Akiko Kropfitsch, die dem Schöffensenat vorsaß. „Das weiß ich nicht“, sagte Kulterer. Er betonte aber, dass er nicht verstehe, warum man bei der Lösung des Problems mit Wolf nicht den „direkten Weg“ gegangen sei: „Hätte man Riedl einen Kredit gegeben, dann hätte er den Betrag an Wolf weitergeben können. Wolf hätte dann die Liegenschaft plombenfrei stellen und sie weiter verkaufen können.“

Auch Kircher wurde am Mittwochvormittag noch einmal befragt. „Da hatte man dauernd ein Theater mit Walter Wolf. Warum macht man dann ein paar Monate nachher das nächste Geschäft mit ihm?“, wollte Staatsanwalt Norbert Ladinig wissen. Kircher blieb mit seiner Antwort ebenfalls bei seinen bisherigen Aussagen: „Der Grund war, Wolf ruhigzustellen, weil er mit brisanten Informationen über die Hypo an die Öffentlichkeit gehen wollte. Und außerdem war der Ankauf der Liegenschaft als Geschäft ok.“

Die Fortsetzung der Verhandlung mit Zeugenbefragungen war für den Nachmittag vorgesehen.

~ WEB www.heta-asset-resolution.com ~ APA180 2015-12-09/11:30




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