Letztes Update am Mi, 09.12.2015 11:51

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Massaker Prozess 2 - Opfer will Angeklagten an Stimme erkannt haben



Linz/Sarajevo (APA) - Der für 30 Verhandlungstage anberaumte Prozess gegen einen gebürtigen Bosniaken, der im Jugoslawienkrieg 16 Menschen ermordet haben soll, ist am Mittwoch im Landesgericht Linz gestartet. Der mittlerweile österreichische Staatsbürger bestreitet die Vorwürfe, die Verteidigung will daher einen Freispruch. Die Staatsanwaltschaft beruft sich in ihrer Anklage auf die Aussagen zweier Augenzeuginnen.

Detailliert schilderte Staatsanwältin Doris Fiala in ihrem Eröffnungsplädoyer, was in der Morgendämmerung des 17. September 1992 in dem serbischen Bauerndorf Serdari in der Provinz Kotor Varos geschah. Sieben Männer, sieben Frauen und zwei Kinder seien aus Rache von Kroaten und Bosniaken erschossen und sechs Häuser angezündet worden. Anhand von Fotos verdeutlichte sie den Geschworenen den Hergang des Übergriffs durch die Privatmiliz.

Eine Frau, die den Angriff überlebt hat, belastete bereits ein Jahr später den heute 48-Jährigen. „Ja, ich habe ihn genau erkannt, an seiner Stimme und an seinem Aussehen“, verlas Fiala das seinerzeitige Einvernahmeprotokoll. Sie will den Angeklagten als Volksschüler kennengelernt haben. Die Frau sei eine der „Schlüsselzeuginnen“, die ebenso wie eine zweite Überlebende auch in Linz aussagen soll. Denn, so betonte die Staatsanwältin, auch wenn 23 Jahre später „Randdetails verschwommen“ sein mögen, ein derart „einschneidendes Erlebnis“ werde niemals vergessen.

Dem widersprach Verteidiger Jürgen Nowotny. „Die tägliche Sorge zu überleben und um ein sicheres Versteck vor Kugeln und Granaten“ in dem jahrelangen Bürgerkrieg ließen genaue Daten in den Hintergrund treten, argumentierte er. Auch stellte er in Zweifel, wie eine Person einen jungen Mann an dessen Stimme identifizieren könne, den sie nur als Volksschüler erlebt habe. Abgesehen davon beteuere sein Mandant, beim Überfall nicht einmal dabei gewesen zu sein. Er habe sich in den Wäldern von Vecici aufgehalten, ein Ort, der von Serdari wenige Kilometer entfernt liegt. Und die Bürgerwehr sei nicht von dort aus, sondern von der gegenüberliegenden Himmelsrichtung eingefallen. Was den Baggerfahrer, der heute bei Linz lebt, aber am meisten entlaste: „Er hat kein Motiv für eine Vergeltung an den Serben, denn alle seine Verwandten kamen unversehrt davon“, betonte Nowotny.

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