Letztes Update am Mi, 09.12.2015 11:51

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Klima-Gipfel - Klimasünder in Opferrolle - Indien erschwert Einigung



Paris (APA/AFP) - Folgenschwere Gletscherschmelze und immer häufiger Überschwemmungen und Dürren - nur wenige Länder bekommen die Folgen des Klimawandels so deutlich zu spüren wie Indien. Doch die Erderwärmung sollen nach dem Willen des aufstrebenden Schwellenlandes vornehmlich andere bekämpfen. Indien fürchtet um seinen wirtschaftlichen Aufholprozess, wenn es auf neue Kohlekraftwerke verzichtet.

Den Treibhausgasausstoß sollten in erster Linie die Industriestaaten verringern, bekräftigten Indiens Unterhändler auf der UN-Konferenz in Le Bourget bei Paris. Indien stehe für „eine ausgewogene Lösung des Klimaproblems und für Solidarität mit den Entwicklungsländern“, sagte der indische Umweltminister Prakash Javadekar am Rande der Verhandlungen. Dabei sei sein Land bereit, den Klimawandel „aggressiv“ zu bekämpfen, fügte er hinzu - auch mit Blick auf die vielen Inder, die unter der klimabedingten Zunahme von Naturkatastrophen leiden. Zugleich kritisierte Javadekar am Dienstag in Le Bourget die Industriestaaten: „Wir sind weiterhin enttäuscht von dem geringen Maß an Ehrgeiz und Unterstützung der entwickelten Länder“.

Die indische Regierung sieht wie die anderen Entwicklungs- und Schwellenländer im Klimawandel die Folge der wirtschaftlichen Expansion der Industriestaaten in der Vergangenheit. Deswegen sollen diese nun auch für die Folgen bezahlen und die nötige Verringerung klimaschädlicher Emissionen weitgehend selbst bewerkstelligen. Indien hat zwar immerhin zugesagt, seinen Treibhausgasausstoß bis 2030 um rund 35 Prozent im Vergleich zu 2005 senken - allerdings proportional zum Bruttoinlandsprodukt. De facto bedeutet dies zunächst wohl eine weitere Zunahme der Emissionen.

Schon jetzt ist Indien nach China, den USA und der EU der viertgrößte Treibhausgas-Emittent. Doch das will sich das Land mit der zweitgrößten Bevölkerung der Erde nicht vorwerfen lassen. Der durchschnittliche Inder verursache an klimaschädlichen Emissionen „fast nichts“, sagte Ajay Mathur, der bei der UN-Klimakonferenz für Indien verhandelt. Allerdings hat das Land 1,2 Milliarden Einwohner.

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Ein Viertel von ihnen lebt immer noch in Armut. Ein Bekenntnis zur Dekarbonisierung, also zur Abkehr von klimaschädlichen fossilen Energieträgern wie insbesondere Kohle, ist für die indische Regierung ein rotes Tuch. Das Land will sich nicht darauf festlegen lassen, beim Ausbau der Stromversorgung auf erneuerbare Energien wie Solar- und Windenergie zu setzen. „Nur weil die Technologie existiert, bedeutet das nicht, dass sie erschwinglich und zugänglich ist“, sagte der indische Regierungschef Narendra Modi bei der Eröffnung der Weltklimakonferenz. Deutlicher wurde sein Verhandlungsführer Mathur: Wenn Indien auf erneuerbare Energien setzen solle, müssten die Industriestaaten die Mehrkosten dafür tragen. Auch müsse Indien moderne Technologien zur klimafreundlichen Energiegewinnung ohne Lizenzgebühren nutzen können.




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