Letztes Update am Mi, 09.12.2015 11:03

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Harnoncourt-Rückzug: Musikvereinschef Angyan: „Ganz schwere Zäsur“



Wien (APA) - Nach dem am Wochenende verkündeten Rückzug Nikolaus Harnoncourts vom Dirigentenpult, zeigte sich Musikvereinschef Thomas Angyan am Mittwoch vor der Presse betroffen, wenn auch nicht vollends überrascht: „Wir haben es befürchtet - erwartet ist der falsche Ausdruck.“ Dennoch bleibe klar zu konstatieren: „Es ist eine ganz schwere Zäsur.“ Für ihn bleibe Harnoncourt das Original des Originalklangs.

Offen ist dabei noch die Zukunft von Harnoncourts Ensemble, dem Concentus Musicus, im Musikverein, auch wenn er jetzt bereits sagen könne: „Man lässt ein solches Ensemble nicht wie eine heiße Kartoffel fallen, wenn die große Person an der Spitze aufhört.“ Schließlich habe Harnoncourt seit Mai 1968 im Musikverein 307 Konzerte dirigiert und werde der Concentus bis zum Ende der Saison 250 Konzerte gespielt haben. „Das ist ein Meilenstein, eine Marke“, so Angyan.

So wird die laufende Saison - wenn auch modifiziert - durchgeführt. Die für 27. und 28. Februar angesetzten Concentus-Konzerte mit Mozart-Programm werden gespielt, eventuell ohne Dirigent oder - wie beim Beethoven-Festkonzert am 17. Jänner im Theater an der Wien - unter der Leitung von Harnoncourts Meisterschüler Stefan Gottfried. Bei den beiden am 16. und 17. April angesetzten Konzerten werden entgegen der Ursprungsplanung keine Beethoven-Symphonien gespielt, sondern ein Barock-Programm. „Das wird definitiv von Stefan Gottfried gemacht werden“, kündigte Angyan an.

Und für den dritten Termin, Beethovens 9. Symphonie am 28., 29. und 30. Mai (letzterer Termin im Rahmen der Festwochen-Konzerte), ist noch keine Lösung gefunden. „Selbst wenn ein großer Name frei ist, ist noch lange nicht gesagt, dass er mit dem Concentus eine 9. Symphonie so macht, dass sie ein Riesenerfolg wird“, gab der Musikvereinschef zu bedenken. Da könne ein weniger spektakulärer Name mit Originalklangerfahrung die bessere Wahl sein.

Auch für die Saison 2016/17 ist eine erste Lösung gefunden. „Wir werden einen großen Schritt zurückmachen zu den Anfängen des Concentus Musicus“, kündigte Angyan an. So wird es vier Konzerte mit Kammermusik und Ensembleformation im Brahms-Saal mit Barock-Programm geben. Im großen Saal wird stattdessen ein Zyklus aus Klassik und Barock mit vier Konzerten und verschiedenen Ensembles aus der Originalklangszene angesetzt.

(S E R V I C E - www.musikverein.at)




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