Letztes Update am Mi, 09.12.2015 12:30

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Prozess wegen Grazer Blumenstrauß-Juwelierraub wieder vertagt



Graz/Zagreb (APA) - Ein Prozess gegen ein 30-jähriges mutmaßliches Mitglied der Pink-Panther-Bande ist am Mittwoch im Grazer Straflandesgericht abermals vertagt worden. Per Video-Liveschaltung wurde ein Zeuge und mutmaßlicher Mittäter befragt. Dieser ist derzeit wegen eines anderen Delikts in Kroatien in U-Haft. Er bestritt einen Zusammenhang mit dem Überfall auf einen Grazer Juwelier - ebenso wie der 30-Jährige.

Vier Räuber hatten am 10. Februar das Grazer Traditions-Schmuckgeschäft Schullin überfallen, wobei einer der Männer mit einem Blumenstrauß-Trick Einlass in die Verkaufsräume erhalten hatte. Er kam mit Blumen in der Hand, und weil die Angestellten dachten, dass der Strauß ein Geschenk für eine der Mitarbeiterinnen sei, öffneten sie die aus Sicherheitsgründen stets verschlossene Eingangstür des Juweliergeschäfts. Bei dem Blumenlieferanten soll es sich um den 30-jährigen Angeklagten handeln, der aber schon am ersten Verhandlungstag bestritten hat, der Täter zu sein. Er sehe dem Räuber zwar ähnlich, aber er sprach davon, dass die Polizei alles konstruiert habe.

Der zweite Verhandlungstag begann mit der Befragung des mutmaßlichen Komplizen. Er stellte sich per Video-Übertragung den Fragen der Richterin. „Ich habe mir in Österreich nichts zuschulden kommen lassen“, sagte er im Zeugenstand, denn als Angeklagter wird er vorerst nicht geführt. Dafür müsste er in Österreich geschnappt werden, Kroatien liefert ihn vorerst nicht aus. Auf den Fotos aus der Überwachungskamera erkenne er sich nicht wieder: „Der da ist ja viel dicker als ich.“ Dass der Täter die gleiche schiefe Nase hat wie er, deutete der 37-Jährige auch nicht als Beweis. Den Grazer Angeklagten kenne er aber schon länger. Gemeinsam seien sie öfters zum Einkaufen nach Ungarn gefahren.

Wie seine DNA auf den Griff einer Tatwaffe kam, sei dem in Zagreb inhaftierten Mann unerklärlich. Er meinte, wenn er aus dem Gefängnis entlassen werde, wolle er gerne nach Österreich kommen und sich den Vorwürfen stellen: „Ich will ohne Probleme mit meiner Familie durch Europa reisen können.“

Zwei weitere Zeugen - sie wollten aus Sicherheitsgründen vor dem Angeklagten anonym bleiben - schauten sich den 30-jährigen Beschuldigten am Mittwoch an. Beide meinten, dass es sich um die gesuchte Person handeln könnte, waren sich aber nicht sicher. Ein weiterer Zeuge soll bei einem nächsten Prozesstermin geladen werden. Außerdem soll das DNA-Gutachten vom Sachverständigen genauer erläutert werden.




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