Letztes Update am Mi, 09.12.2015 12:43

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Menschenrechtstag: NGOs legen lange Liste an Forderungen vor



Wien (APA) - Österreichische Hilfsorganisationen haben anlässlich des Tages der Menschenrechte zahlreiche Forderungen aufgestellt. So schlug etwa die Armutskonferenz die Schaffung einer Sozialanwaltschaft vor. Der Arbeiter-Samariter-Bund sprach sich gegen die angedachten Einführung einer Obergrenzen für Flüchtlinge aus und die Diakonie widmete sich Kindern, die ihre Eltern pflegen.

Die Lebenshilfe forderte im Namen von Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung die Einführung von bundeseinheitlichen Mindeststandards, barrierefreie Informationen und Beratungsstellen in allen Lebensbereichen sowie die Übersetzung von Regierungsprogrammen und Behördeninformationen auf Bundes- und Landesebene. Die Lebenshilfe verlangte weiters den Ausbau von Unterstützungsangeboten und „ein Ende des Taschengeldes für die über 20.000 Menschen mit Beeinträchtigungen, die in Werkstätten arbeiten“. Sie sollen eine richtige Entlohnung und damit eigenständige Sozialversicherung und Pensionsansprüche erhalten.

Die Armutskonferenz schlug die Schaffung einer Sozialanwaltschaft vor. „Gerade bei S oder Sozialamt sind verbesserte Rechtschutzangebote dringend erforderlich. Sozialanwaltschaften analog zu den Patientenanwaltschaften können zum Beispiel Interessen- und Rechtsschutz für Betroffene sein“, so das österreichweite Netzwerk aus 41 sozialen, wissenschaftlichen und Selbsthilfe-Organisationen.

Gegen die Einführung einer Obergrenze für Flüchtlinge sprach sich der Arbeiter-Samariter-Bund aus. Österreich bekenne sich sowohl zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte als auch zur Genfer Flüchtlingskonvention und habe beides ratifiziert. Darin sei der Schutz von Flüchtlingen vor Verfolgung völkerrechtlich bindend festgeschrieben. Eine Obergrenze würde dem widersprechen, sagte Franz Schnabl, Präsident des Arbeiter-Samariter-Bund.

Für die Anliegen von Kindern, die ihre Eltern pflegen, setzte sich anlässlich des Tages der Menschenrechte die Diakonie ein. „43.000 Kindern und Jugendliche erledigen tagtäglich pflegerische Aufgaben, für die sie weder psychisch noch körperlich in der Lage sind. Es ist nicht hinzunehmen, dass die Pflege in Österreich derzeit nur unter Mithilfe dieser jungen Menschen aufrechterhalten werden kann“, kritisierte Diakonie-Direktor Michael Chalupka.

„Diese Kinder - im Durchschnitt unter 13 Jahre alt - haben oft keine andere Wahl. Unterstützungsdienste sind entweder zu teuer oder schlichtweg nicht verfügbar.“ Um eine solche Entlastung erreichen zu können, bedarf es einer Dienstleistungs-Offensive. „Die Pflegelücke zwischen Altenheim auf der einen Seite und 24-Stunden-Betreuung auf der anderen Seite muss endlich geschlossen werden“, so der Diakonie-Direktor.




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